
BI Entenpfuhl:Mitglieder wollen Antragsunterlagen einsehen und sind beim Thema Windkraft skeptisch – adventliches Treffen wird zum Erfolg.
Weihnachtslieder, Glühweinduft und bunte Gummienten mit Tannenzweigschmuck: Am Samstagnachmittag hatte die Bürgerinitiative (BI) „Rettet den Entenpfuhl“ zu einem adventlichen Treffen am südlichen Waldrand von Ketsch eingeladen. Neben dem gemütlichen Beisammensein und dem lockeren Austausch über die Aktionen der vergangenen Monate ging es um das ernste Thema, das die Mitglieder und Freunde der Gruppe seit Jahren antreibt.
Denn weiterhin laufen die Planungen für einen großflächigen Kiesabbau in dem Waldgebiet, das zwischen B 39 und Hockenheim-Talhaus zwar auf Schwetzinger Gemarkung liegt, aber dessen Umnutzung die Enderlegemeinde in besonderem Maße betreffen würde.
Nach mehreren öffentlichen Infoveranstaltungen und dem Aufhängen von Nistkästen für geschützte Fledermäuse in diesem Jahr blickt die BI voller Tatendrang in die Zukunft. „Wir werden zusammen mit dem Ketscher Umweltstammtisch im Januar versuchen, beim Wasserrechtsamt des Kreises Einsicht in Antragsunterlagen der Firma Krieger zu erhalten. Deren Bearbeitung dauert wohl noch eine ganze Weile, aber wir wollen nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden“, erklärte BI-Sprecher Heinz Eppel.
Enorme Dimensionen
Schließlich erreiche das Projekt enorme Dimensionen. „Der Abbau soll auf einer Fläche von rund 42 Hektar erfolgen. Unser nicht gerade kleiner Ketscher Anglersee umfasst knapp zwölf Hektar – hier ist also ein fast viermal so großer Baggersee geplant, für den der Wald weichen muss“, betonte Eppel. Dabei diene das Gebiet im Sommer als eine natürliche Klimaanlage für die Umgebung.
Der Hardtwald, zu dem der Entenpfuhl gehört, werde zudem an vielen Stellen angegriffen: Bei den aktuellen Plänen für die Bahntrasse Mannheim-Karlsruhe, bei der Problematik rund um Sport- und Parkplätze in Sandhausen oder bei der Diskussion um Lkw-Parkplätze bei Hockenheim.
„Gleichzeitig hat Deutschland jüngst auf der Weltklimaschutzkonferenz eine Milliarde Euro für den Erhalt von Wäldern auf der ganzen Welt zugesagt. Das ist zwar für sich betrachtet sehr sinnvoll, passt aber nicht damit zusammen, bei uns zu Hause großflächig Bäume zu fällen“, so Eppel.
Ein weiterer Kritikpunkt sei weiterhin die Sorge um das Trinkwasser. Hier könne am Ende zwar vielleicht durch Filter und andere Maßnahmen einer Verunreinigung entgegengewirkt werden, doch das habe seinen Preis – den am Ende die Bürger über steigende Gebühren bezahlen müssten.
Gefahr für die Trinkwasserqualität
„Bislang haben wir im benachbarten Wasserwerk Schwetzinger-Hardt eine herausragende Trinkwasserqualität, mit der nicht nur Schwetzingen und Ketsch, sondern auch die Großstädte Mannheim und Heidelberg sowie über Umwege Brühl und Eppelheim versorgt werden. Das zu gefährden, ist doch Irrsinn“, argumentierte Werner Zieger, der neben seinem BI-Engagement auch parteiloser Schwetzinger Gemeinderat ist.
Vonseiten der Politik erhofft sich die BI eine größere Unterstützung, „zumal doch die Landtagswahl vor der Tür steht“, wie ein Teilnehmer spöttisch anmerkte. Zum Treffen im Entenpfuhl hatten die Ehrenamtlichen deshalb die drei regionalen Abgeordneten eingeladen.
„Während Andre Baumann sich wegen des parallelen Parteitags der Grünen hat entschuldigen lassen, haben uns Daniel Born und Andreas Sturm (CDU) trotz Zusage leider versetzt“, sagte Heinz Eppel. „Allerdings haben sich beide im Nachgang dafür entschuldigt und Andreas Sturm hat uns als Ersatz seine nächste Sprechstunde angeboten, was wir gerne annehmen.“
Die lokale Politik war hingegen durch Vertreter der Ketscher CDU sowie Bürgermeister Timo Wangler vertreten, der den engen Austausch mit Schwetzingens Oberbürgermeister Matthias Steffan betonte. „Wir werden als Träger öffentlicher Belange im weiteren Prozess angehört und dabei vor allem auf den Lärm- und Trinkwasserschutz hinweisen. Gleichzeitig vertrauen wir auf das umfangreiche rechtsstaatliche Verfahren, das vom Kreis durchgeführt wird und das sich mit zahlreichen Punkten sehr intensiv beschäftigt“, sagte Wangler.
Denkbar sei aber, dass die BI zusammen mit den betroffenen Kommunen im nächsten Jahr eine öffentliche Infoveranstaltung organisiere. Das Thema Windkraftanlagen, das der Grünen-Landtagsabgeordnete Andre Baumann zuletzt wieder aufgeworfen hatte, nahm indes keinen allzu großen Raum beim BI-Treffen ein. Grundsätzlich sei man dieser Technologie gegenüber offen, doch sei der Standort im Entenpfuhl wohl eher „Wunschdenken“, so der BI-Vorstand. „Wegen der mäßigen Windstärke in der Rheinebene wäre hier eine Nabenhöhe von rund 150 Metern notwendig“, argumentierte Werner Zieger.
Damit sei der Bereich gemeint, an dem sich der Maschinenraum samt Generator befindet und sich die Rotorblätter drehen. Für die Gesamthöhe müsse noch einmal die Hälfte des Rotordurchmessers hinzugerechnet werden, der nach aktuellem Stand der Technik rund 150 bis 200 Meter betragen könne.
„Die Dinger müssten also riesig werden“, so Zieger. „Und was wir auf keinen Fall akzeptieren könnten, wäre die Aufstellung von Windrädern zusammen mit dem Kiesabbau. Ohnehin wollen wir im neuen Jahr noch lauter werden, um den Entenpfuhl vor solchen Bedrohungen zu retten.“
Bericht aus der Schwetzinger Zeitung vom 17.12.2025 von von Benjamin Jungbluth
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