Stadt stellt sich gegen Kiesabbau

Über lange Förderbänder gelangen die Rohstoffe im Bruchsaler Kieswerk der Firma Krieger an Land und werden nach Größe sortiert: So soll auch der Abbau im Entenpfuhl organisiert werden.Bild: Benjamin Jungbluth

Gemeinderatsvorschau :In einer Stellungnahme soll sich das Gremium zum Vorhaben im Gewann Unterer Entenpfuhl auf Schwetzinger Gemarkung positionieren.

Noah Eschwey

Gemeinderatssitzung

  • Die öffentliche Sitzung des Gemeinderats Schwetzingen findet am Mittwoch, 15. April , statt. Beginn ist um 18 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses.
  • Auf der Tagesordnung stehen unter anderem der Bebauungsplan Nr. 109 „Südlich Hirschacker II“ und eine Vereinbarung zwischen Schwetzingen und Oftersheim zumMobilitäts- und Verkehrskonzept „Schwetzinger Höfe“ ,
  • Außerdem die Sanierung des Sportplatzes des städtischen Stadions und die geplante Entwidmung einer Teilfläche des Friedhofes .

In Schwetzingen steht eine weitreichende Entscheidung an: Der Gemeinderat befasst sich in seiner öffentlichen Sitzung am Mittwoch, 15. April, mit einer Stellungnahme zum geplanten Kies- und Sandabbau im Gewann Unterer Entenpfuhl auf Schwetzinger Gemarkung. Hintergrund ist ein laufendes wasserrechtliches Planfeststellungsverfahren, in dem die Stadt als betroffene Kommune sowie als untere Baurechtsbehörde zur Stellungnahme aufgefordert wurde.

Geplant ist ein Vorhaben der Firma Heinrich Krieger aus Neckarsteinach, die auf einer Fläche von rund 38,8 Hektar über einen Zeitraum von etwa 33 Jahren Sand und Kies gewinnen will. Die Rohstoffe sollen zunächst im Trockenabbau und später im Nassabbau gefördert werden. Am Ende würde ein rund 33 Hektar großer Baggersee entstehen.

Die Stadt Schwetzingen erkennt grundsätzlich die Bedeutung der Rohstoffgewinnung für die Bauwirtschaft an. Angesichts des hohen Bedarfs an Baustoffen, etwa für den Wohnungsbau, sei der Abbau in geeigneten Regionen nachvollziehbar. Gleichzeitig positioniert sich die Verwaltung in ihrer Stellungnahme deutlich kritisch gegenüber dem konkreten Projekt.

Stadt kritisiert Vorhaben

Ein zentraler Kritikpunkt betrifft die Trinkwasserversorgung. Das geplante Abbaugebiet liegt im Einzugsbereich des Wasserwerks Schwetzingen in einem Wasserschutzgebiet. Die Stadt befürchtet, dass Eingriffe in den Boden sowie der Umgang mit wassergefährdenden Stoffen die Wasserqualität beeinträchtigen könnten. Auch langfristige Veränderungen der Grundwasserströme werden als Risiko gesehen.

Zudem weist die Stadt auf erhebliche Eingriffe in Natur und Klima hin. Für das Vorhaben müssten große Waldflächen weichen: insgesamt rund 45 Hektar. Diese hätten bislang wichtige Funktionen für das lokale Klima erfüllt, etwa durch Kühlung und Wasserspeicherung. Ein vollständiger Ausgleich durch Aufforstung sei aus Sicht der Verwaltung nicht gegeben.

Hohe Gesamtbelastung

Auch verkehrliche Auswirkungen spielen eine Rolle. Durch den Abtransport der Rohstoffe wird mit zusätzlichen Belastungen gerechnet. Laut Gutachten könnten täglich mehrere hundert Fahrten hinzukommen, was die bestehenden Straßen spürbar beeinträchtigen könnte.

Nicht zuletzt verweist die Stadt auf eine bereits hohe Gesamtbelastung durch andere Infrastrukturprojekte in der Region, darunter der Ausbau der A6 und große Bahnvorhaben. Weitere Eingriffe würden die Situation zusätzlich verschärfen.

Der Gemeinderat soll in seiner öffentlichen Sitzung am Mittwoch, 15. April, über die Abgabe dieser Stellungnahme im Verfahren entscheiden. Dieses bündelt sämtliche Genehmigungen für das Projekt und beinhaltet auch die Beteiligung von Behörden und Öffentlichkeit.

Artikel aus der Schwetzinger Zeitung vom 10. April 2026

„Das ist völlig inakzeptabel“

Am Waldrand hat die BI schon vor Jahren ein Plakat aufgehängt, um auf ihren Protest gegen den geplanten Kiesabbau im Gewann Entenpfuhl aufmerksam zu machen.Bild: Benjamin Jungbluth

Gemeinderat: Geplanten Kiesabbau im Gewann Entenpfuhl kategorisch abgelehnt. Vor allem die Gefahr für das Trinkwasser sehen alle als entscheidend an.

Andreas Lin

Ein geplanter großflächiger Kies- und Sandabbau im Süden der Schwetzinger Gemarkung sorgt für politischen Gegenwind: Der Gemeinderat hat im laufenden Genehmigungsverfahren eine klare Position bezogen – und sich geschlossen und kategorisch gegen das Vorhaben ausgesprochen. „Wir stellen Kiesabbau grundsätzlich nicht infrage – aber eben nicht an dieser Stelle“, machte Oberbürgermeister Matthias Steffan klar deutlich.

Die Sprecher der Fraktionen wurden noch deutlicher: „Wir sind massiv gegen den Kiesabbau“, sagte Elke Ackermann-Knieriem (Freie Wähler). Auch Nils Melkus (CDU) sieht das so: „Wir können das nicht vertreten.“ Für Dr. Michael Rittmann (Bündnis 90/Die Grünen) ist dieser Plan in höchstem Maße unverantwortlich: „Kiesabbau im Entenpfuhl ist völlig inakzeptabel.“ Robin Pitsch brachte die SPD-Haltung auf den Punkt beziehungsweise auf vier Buchstaben reduziert: „Nein“.

Pläne für Sand- und Kiesausbeute im Fokus

Im Fokus steht das Gewann Unterer Entenpfuhl, ein rund 38,8 Hektar großes Gebiet nahe der Grenze zu Hockenheim und Ketsch. Dort plant die Firma Heinrich Krieger KG den großflächigen Abbau von Sand und Kies. Zuständig für das Verfahren ist das Wasserrechtsamt des Landratsamts Rhein-Neckar-Kreis, bei dem derzeit die Stellungnahmen der betroffenen Kommunen eingehen.

Das Projekt sei langfristig angelegt, informierte Oberbürgermeister Matthias Steffan noch einmal die Ratsmitglieder und die zahlreichen Sitzungsbesucher: Über einen Zeitraum von rund 33 Jahren sollen Rohstoffe gewonnen werden. Vorgesehen sind nicht nur die Abbauflächen selbst, sondern auch der Bau eines Kies- und Betonwerks sowie eine eigene Verkehrsanbindung an die L722, über die das Material abtransportiert werden soll. Nach Abschluss der Arbeiten soll das Gelände zu einem Landschaftssee umgestaltet und teilweise wieder aufgeforstet werden. Trotz dieser Perspektiven überwiegen aus Sicht der Stadt und der Stadträte die Risiken. In ihren Stellungnahmen warnten die Verwaltung und die Fraktionssprecher vor erheblichen Eingriffen in Natur und Landschaft. Besonders kritisch sehen OB Steffan und der Gemeinderat den Verlust großer Waldflächen – mit Folgen für das lokale Klima und die ökologische Balance.

Auch mögliche Auswirkungen auf den Wasserhaushalt werden als problematisch eingeschätzt. „Die Trinkwasserversorgung könnte in Mitleidenschaft gezogen werden“, betonte der OB. Dr. Rittmann befürchtet ein immenses kumulierendes Risiko für eine Verunreinigung des Grundwassers durch Schadstoffeintrag über die Oberfläche des Baggersees, zumal auch noch eine Tankstelle für den Eigenverbrauch vorgesehen ist. „Die Genehmigung des Vorhabens würde für zigtausende in unserer Region die Trinkwasserversorgung und damit eine der Lebensgrundlagen gefährden.“ Für Nils Melkus ist das nicht verhandelbar: „Der Schutz des Trinkwassers genießt absolute Priorität.“

Gegend schon durch andere Projekte viel belastet

Brisant ist zudem die Lage des Gebiets: Der Untere Entenpfuhl befindet sich in einem Wasserschutzgebiet, in dem Rohstoffabbau grundsätzlich verboten ist. Eine Umsetzung wäre nur über eine Ausnahmegenehmigung möglich – ein Umstand, der die Skepsis in Schwetzingen weiter verstärkt. Alle Sprecher zählten zudem die Vorhaben auf, unter denen die Region um Schwetzingen schon zu leiden habe – zum Beispiel die Güterbahntrasse Rotterdam-Genua, Geothermie-Projekte, der Ausbau der A6 oder die Transnet-Leitungen. „Unsere Region und die hier lebenden Menschen sind bereits massiv belastet“, sagte etwa der CDU-Sprecher. Und nicht zu vergessen seien die zu erwartenden negativen Folgen für die ohnehin gebeutelte Landwirtschaft.

Hinzu kommt, dass die Stadt ihre ablehnende Haltung nicht zum ersten Mal formuliert. Bereits im Jahr 2012 habe sie sich im Zuge der Regionalplanung gegen eine Ausweisung des Gebiets als Vorrangfläche für den Rohstoffabbau ausgesprochen. An dieser Einschätzung hat sich bis heute nichts geändert. Allerdings erinnerte Elke Ackermann-Knieriem, dass der damalige Technische Ausschuss ein Jahr zuvor dem Rohstoffabbau im Regionalplan grundsätzlich zugestimmt habe. Das hänge seitdem wie ein Damoklesschwert über der Gegend.

Chancen und Risiken der Rohstoffgewinnung abwägen

CDU und FDP betonten, dass sie die Rohstoffgewinnung grundsätzlich für sinnvoll halten. Die Oberrheinebene sei dafür geeignet, zudem sprächen kurze Wege, regionale Wertschöpfung und geringere Abhängigkeiten von Importen für eine Förderung im eigenen Land, sagte Nils Melkus. Doch diese Vorteile, so der CDU-Stadtrat, entbänden die Politik nicht von einer sorgfältigen Abwägung. Auch Dr. Christian Lorentz von den Liberalen sieht die Notwendigkeit, für Baustoffe zu sorgen („Bauen ist wichtig“). Aber: „Letztlich sprechen die bekannten Gründe dagegen.“

Die Entscheidung, ob im Entenpfuhl Kies abgebaut wird oder nicht, selbst liegt allerdings nicht beim Schwetzinger Gemeinderat: Am Ende wird das Wasserrechtsamt im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens abwägen müssen, ob das Projekt genehmigt wird.

Artikel aus der Schwetzinger Zeitung vom 17. April 2026

Born fordert Erhalt von Entenpfuhl

Naturschutz:Appell an die grün-schwarze Koalition.

Blick auf das Bruchsaler Kieswerk der Firma Krieger.ArchivBild: Benjamin Jungbluth

Daniel Born, bis zu Ende des Monats noch Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis Schwetzingen, fordert die künftige grün-schwarze Landesregierung auf, den Entenpfuhl vor der Abholzung zu bewahren und alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um den Vertrag mit der Firma Krieger zu kündigen oder rechtssicher zu beenden. Nach dem Abschluss der Sondierungsgespräche in Stuttgart hat sich Born (SPD) an Grüne und CDU gewandt. Er hoffe, dass der Koalitionsvertrag einen Entenpfuhl-Schutz enthalte, heißt es laut einer Mitteilung. Auf dem Gelände plant die Firma Krieger Kiesabbau.

In seinem Appell warnt Born davor und nennt die Planungen im Entenpfuhl einen schwerwiegenden Eingriff in Wald, Klima, Trinkwasserschutz und Lebensqualität in der Region. „Wenn ein großes zusammenhängendes Waldgebiet für jahrzehntelangen Rohstoffabbau geopfert werden soll, ist das nicht nur ein lokaler Nutzungskonflikt, sondern eine grundsätzliche politische Entscheidung darüber, welchen Wert Natur, Wasser und Klima in Baden-Württemberg noch haben“, erklärt der Schwetzinger Politiker.

Hinweis auf Sondierungspapier von Grünen und CDU

Als Grundlage seiner Forderung nennt er konkret das Sondierungspapier von Grünen und CDU. Darin heiße es unter Punkt 23 ausdrücklich, dass der Wald als natürliche CO₂-Senke gestärkt und ausgebaut werden solle. „Genau daran müssen sich die Verhandler messen lassen und können beim Entenpfuhl ein starkes Zeichen der Glaubwürdigkeit setzen“, so Born. „Wer Wälder stärken will, darf im Entenpfuhl keine Abholzung zulassen.“

Born stellt klar: „Der Entenpfuhl ist landeseigener Wald. Die betroffenen Gemeinden können lediglich Stellungnahmen im Antragsverfahren der Firma Krieger abgeben, die Initiativen nur protestieren und informieren – was sie auch tun.“ Aber das Land könne mit einer Kündigung des Pachtvertrags sofort dem Spuk ein Ende bereiten und den Wald retten. „Und genau das muss im Koalitionsvertrag stehen“, fordert Born.

Sorge vor unwiederbringlichem Verlust des sensiblen Waldgebiets

Beim Entenpfuhl gehe es um ein sensibles Waldgebiet in einem wasserwirtschaftlich bedeutenden Raum. Der Wald erfülle wichtige Funktionen für das regionale Klima, den Wasserhaushalt, den Artenschutz und die Lebensqualität vor Ort. Wälder speicherten Kohlenstoff, kühlten ihre Umgebung, hielten Wasser in der Landschaft und wirkten als natürliche Schutzräume gegen Hitze, Staub und Lärm. Was dort zerstört werde, lasse sich nicht mehr ersetzen.

Born hat die Forderung zum Erhalt des Entenpfuhl-Waldes von Anfang an unterstützt und stets die Verantwortung des Landes betont. „Wenn beim Entenpfuhl wirtschaftliche Interessen höher gewichtet werden als Wald-, Klima- und Trinkwasserschutz, dann bleibt vom Versprechen des Sondierungspapiers nicht viel übrig“, meint er. „Man kann nicht morgens Wälder als CO₂-Senken loben und abends ihre Zerstörung dulden.“ dir/zg

Artikel aus der Schwetzinger Zeitung vom 16.04.2026

Kämpferischer Blick ins neue Jahr

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BI Entenpfuhl:Mitglieder wollen Antragsunterlagen einsehen und sind beim Thema Windkraft skeptisch – adventliches Treffen wird zum Erfolg.

Weihnachtslieder, Glühweinduft und bunte Gummienten mit Tannenzweigschmuck: Am Samstagnachmittag hatte die Bürgerinitiative (BI) „Rettet den Entenpfuhl“ zu einem adventlichen Treffen am südlichen Waldrand von Ketsch eingeladen. Neben dem gemütlichen Beisammensein und dem lockeren Austausch über die Aktionen der vergangenen Monate ging es um das ernste Thema, das die Mitglieder und Freunde der Gruppe seit Jahren antreibt.

Denn weiterhin laufen die Planungen für einen großflächigen Kiesabbau in dem Waldgebiet, das zwischen B 39 und Hockenheim-Talhaus zwar auf Schwetzinger Gemarkung liegt, aber dessen Umnutzung die Enderlegemeinde in besonderem Maße betreffen würde.

Nach mehreren öffentlichen Infoveranstaltungen und dem Aufhängen von Nistkästen für geschützte Fledermäuse in diesem Jahr blickt die BI voller Tatendrang in die Zukunft. „Wir werden zusammen mit dem Ketscher Umweltstammtisch im Januar versuchen, beim Wasserrechtsamt des Kreises Einsicht in Antragsunterlagen der Firma Krieger zu erhalten. Deren Bearbeitung dauert wohl noch eine ganze Weile, aber wir wollen nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden“, erklärte BI-Sprecher Heinz Eppel.

Enorme Dimensionen

Schließlich erreiche das Projekt enorme Dimensionen. „Der Abbau soll auf einer Fläche von rund 42 Hektar erfolgen. Unser nicht gerade kleiner Ketscher Anglersee umfasst knapp zwölf Hektar – hier ist also ein fast viermal so großer Baggersee geplant, für den der Wald weichen muss“, betonte Eppel. Dabei diene das Gebiet im Sommer als eine natürliche Klimaanlage für die Umgebung.

Der Hardtwald, zu dem der Entenpfuhl gehört, werde zudem an vielen Stellen angegriffen: Bei den aktuellen Plänen für die Bahntrasse Mannheim-Karlsruhe, bei der Problematik rund um Sport- und Parkplätze in Sandhausen oder bei der Diskussion um Lkw-Parkplätze bei Hockenheim.

„Gleichzeitig hat Deutschland jüngst auf der Weltklimaschutzkonferenz eine Milliarde Euro für den Erhalt von Wäldern auf der ganzen Welt zugesagt. Das ist zwar für sich betrachtet sehr sinnvoll, passt aber nicht damit zusammen, bei uns zu Hause großflächig Bäume zu fällen“, so Eppel.

Ein weiterer Kritikpunkt sei weiterhin die Sorge um das Trinkwasser. Hier könne am Ende zwar vielleicht durch Filter und andere Maßnahmen einer Verunreinigung entgegengewirkt werden, doch das habe seinen Preis – den am Ende die Bürger über steigende Gebühren bezahlen müssten.

Gefahr für die Trinkwasserqualität

„Bislang haben wir im benachbarten Wasserwerk Schwetzinger-Hardt eine herausragende Trinkwasserqualität, mit der nicht nur Schwetzingen und Ketsch, sondern auch die Großstädte Mannheim und Heidelberg sowie über Umwege Brühl und Eppelheim versorgt werden. Das zu gefährden, ist doch Irrsinn“, argumentierte Werner Zieger, der neben seinem BI-Engagement auch parteiloser Schwetzinger Gemeinderat ist.

Vonseiten der Politik erhofft sich die BI eine größere Unterstützung, „zumal doch die Landtagswahl vor der Tür steht“, wie ein Teilnehmer spöttisch anmerkte. Zum Treffen im Entenpfuhl hatten die Ehrenamtlichen deshalb die drei regionalen Abgeordneten eingeladen.

„Während Andre Baumann sich wegen des parallelen Parteitags der Grünen hat entschuldigen lassen, haben uns Daniel Born und Andreas Sturm (CDU) trotz Zusage leider versetzt“, sagte Heinz Eppel. „Allerdings haben sich beide im Nachgang dafür entschuldigt und Andreas Sturm hat uns als Ersatz seine nächste Sprechstunde angeboten, was wir gerne annehmen.“

Die lokale Politik war hingegen durch Vertreter der Ketscher CDU sowie Bürgermeister Timo Wangler vertreten, der den engen Austausch mit Schwetzingens Oberbürgermeister Matthias Steffan betonte. „Wir werden als Träger öffentlicher Belange im weiteren Prozess angehört und dabei vor allem auf den Lärm- und Trinkwasserschutz hinweisen. Gleichzeitig vertrauen wir auf das umfangreiche rechtsstaatliche Verfahren, das vom Kreis durchgeführt wird und das sich mit zahlreichen Punkten sehr intensiv beschäftigt“, sagte Wangler.

Denkbar sei aber, dass die BI zusammen mit den betroffenen Kommunen im nächsten Jahr eine öffentliche Infoveranstaltung organisiere. Das Thema Windkraftanlagen, das der Grünen-Landtagsabgeordnete Andre Baumann zuletzt wieder aufgeworfen hatte, nahm indes keinen allzu großen Raum beim BI-Treffen ein. Grundsätzlich sei man dieser Technologie gegenüber offen, doch sei der Standort im Entenpfuhl wohl eher „Wunschdenken“, so der BI-Vorstand. „Wegen der mäßigen Windstärke in der Rheinebene wäre hier eine Nabenhöhe von rund 150 Metern notwendig“, argumentierte Werner Zieger.

Damit sei der Bereich gemeint, an dem sich der Maschinenraum samt Generator befindet und sich die Rotorblätter drehen. Für die Gesamthöhe müsse noch einmal die Hälfte des Rotordurchmessers hinzugerechnet werden, der nach aktuellem Stand der Technik rund 150 bis 200 Meter betragen könne.

„Die Dinger müssten also riesig werden“, so Zieger. „Und was wir auf keinen Fall akzeptieren könnten, wäre die Aufstellung von Windrädern zusammen mit dem Kiesabbau. Ohnehin wollen wir im neuen Jahr noch lauter werden, um den Entenpfuhl vor solchen Bedrohungen zu retten.“

Bericht aus der Schwetzinger Zeitung vom 17.12.2025 von von Benjamin Jungbluth

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NABU: Bürgerinitiative„Rettet den Entenpfuhl“ zu Gast

Die Bürgerinitiative (BI) „Rettet den Entenpfuhl“ war zu Gast bei der jüngsten Versammlung des Nabu Schwetzingen und Umgebung, zu dem auch Ketsch gehört. Frank Nürnberg gab zu Beginn einen Rückblick auf die vergangenen elf Jahre – von der Ausweisung des Entenpfuhls als Vorranggebiet für den Rohstoffabbau im einheitlichen Regionalplan bis zu den aktuellen Entwicklungen.

Die BI, vertreten durch ihre Vorstände Heinz Eppel und Manuela Stübe, erläuterte dabei ihre wesentlichen Bedenken. Nach ihren Angaben sollen im Süden von Ketsch 42 Hektar Wald für Kiesabbau und ein geplantes Betonwerk weichen. Der Entenpfuhl wurde auf Betreiben des Zweckverbands Wasserversorgung Kurpfalz im März 2022 als Wasserschutzzone IIIA ausgewiesen.

Das dort geförderte Wasser ist von großer Bedeutung: Rund zwei Drittel der etwa acht Millionen Kubikmeter Jahresfördermenge gehen an Heidelberg und Mannheim, weitere vier Millionen Kubikmeter an Schwetzingen sowie die umliegenden Gemeinden Ketsch, Plankstadt und Oftersheim.

Angesichts der fortschreitenden Klimaveränderungen, so betonte die BI, müsse der Schutz des Trinkwassers höchste Priorität haben. Durch die geplante Schaffung eines 35 Hektar großen Baggersees entfielen sowohl die Filterfunktion des Waldbodens als auch der natürliche Schutz vor Schadstoffen. „Waldschutz ist Klima- und Trinkwasserschutz“, fasste Eppel die Haltung der Initiative zusammen – eine Einschätzung, der sich auch die Nabu-Mitglieder anschlossen.

Darüber hinaus sei der Entenpfuhl ein wichtiger Erholungsraum für die Bevölkerung. Wie Eppel berichtete, biete der schattige Wald bei sommerlichen Temperaturen von 40 Grad in der Umgebung einen deutlichen Temperaturunterschied – im Entenpfuhl sei es oft bis zu 20 Grad kühler als auf versiegelten Flächen im Ortskern.

Beim Thema Windenergie gingen die Meinungen auseinander. Laut einem Windatlas sind Flächen im und am Entenpfuhl als potenzielle Standorte ausgewiesen, eine konkrete Planung existiere jedoch noch nicht. Die Bürgerinitiative wolle sich daher derzeit nicht festlegen. Der Nabu Schwetzingen und Umgebung befürwortete hingegen die mögliche Installation von drei bis fünf Windrädern als klimaneutrale Energiequelle. Die dafür notwendigen Eingriffe könnten zugleich zur ökologischen Aufwertung der Kiefernstangenwälder beitragen und Flora wie Fauna langfristig stärken. 

Bericht aus der Schwetzinger Zeitung vom 13.10.2025 erstellt von Frank Nürnberg, Nabu Schwetzingen

BI wünscht sich mehr Unterstützung

An der Ketscher Hundewiese macht der Zweckverband Wasserversorgung Kurpfalz mit einem Schild auf das Trinkwassereinzugsgebiet aufmerksam, das hier Richtung Entenpfuhl verläuft – was die BI-Vorstandsmitglieder Ulrike Eppel (v. l.), Werner Zieger, Heinz Eppel und Manuela Stübe in ihrer kritischen Haltung bestärkt. Bild: Jungbluth

Umweltschutz:Der geplante Kiesabbau im Entenpfuhl sorgt weiter für Protest, obwohl es um Schwetzinger Gebiet geht.

Auch wenn er schon seit einigen Jahren viele Menschen rund um Ketsch und Schwetzingen bewegt und seine Umsetzung noch einmal einige Jahre auf sich warten lassen würde: Der geplante Kiesabbau samt Tarnsportbetonwerk im Entenpfuhl bleibt ein aktuelles Thema. Nachdem die Firma Krieger Anfang August die finalen Antragsunterlagen für ihr auf 42 Hektar angelegtes Projekt beim Rhein-Neckar-Kreis eingereicht hat, wurde jüngst das Thema Windkrafträder durch den Grünen-Landtagsabgeordneten Dr. Andre Baumann wieder ins Gespräch gebracht. Genug Anlass also, dass sich nun auch die Bürgerinitiative (BI) Entenpfuhl zu Wort meldet – schließlich läuft bei ihr der Widerstand gegen die Abbaupläne aus der ganzen Region zusammen.

„Wir hatten vor Kurzem eine weitere Begehung im Wald, zu der rund 25 Interessierte gekommen sind. Darunter waren viele neue Gesichter, das Thema treibt die Menschen also trotz der langen Zeitspanne weiter um“, betont BI-Sprecher Heinz Eppel im Gespräch mit unserer Zeitung. Dabei sei das Informationsbedürfnis sehr hoch, denn vielen Mitbürgern seien die Details und möglichen Folgen des Kieswerks gar nicht bewusst.

„Das geht schon beim Trinkwasser los, das direkt auf der anderen Seite der Autobahn für Zehntausende Haushalte gewonnen wird und das bislang eine außergewöhnlich gute Qualität aufweist. Diese sehen wir durch den Abbau nachhaltig gefährdet, was Auswirkungen auf die gesamte Region hätte“, erklärt Eppel.

Rund elf Millionen Kubikmeter Trinkwasser jährlich

Denn von den im Wasserwerk Schwetzinger Hardt geförderten jährlich rund elf Millionen Kubikmetern Trinkwasser gehen allein sieben bis acht an die Großstädte Mannheim und Heidelberg. Der Rest versorgt Schwetzingen und Ketsch, die beide ebenfalls zum verantwortlichen Zweckverband Wasserversorgung Kurpfalz gehören. Indirekt werden aber auch Brühl über das Mannheimer und Eppelheim über das Heidelberger Netz mitversorgt.

„Deshalb sind wir auch etwas enttäuscht, dass aus diesen Städten und Gemeinden nicht mehr Unterstützung für unsere Bemühungen kommt. Bei uns machen weiterhin hauptsächlich Ketscher mit, während es ansonsten zwar oft Zustimmung, aber am Ende doch wenig Mithilfe gibt“, wird Manuela Stübe vom BI-Vorstand deutlich. Genau genommen seien ja die Schwetzinger sogar noch viel stärker in der Pflicht – schließlich liegt der Entenpfuhl zwar in Sichtweite der Enderlegemeinde, er gehört aber rechtlich zur Gemarkung der Spargelstadt.

Immerhin ist mit Werner Zieger ein parteiloser Schwetzinger Gemeinderat im Vorstand der BI aktiv. Für ihn ist die befürchtete Gefährdung der regionalen Wasserversorgung ganz grundsätzlich unverständlich. „Niemand kann garantieren, dass es durch den Kiesabbau und den dabei entstehenden rund 30 Meter tiefen Baggersee in Zukunft nicht zu Problemen kommt. Die Verantwortlichen sagen nur, dass sie im Notfall halt Filter einbauen müssten. Aber das ist doch keine Lösung, zumal die Kosten dabei die Allgemeinheit tragen würde: Bislang haben wir hier exzellentes Wasser in einer Qualität, um das uns viele andere Regionen beneiden. Deshalb ist der Entenpfuhl auch ein extra ausgewiesenes Schutzgebiet. Und das wollen wir einfach so leichtsinnig aufgeben?“, ist Zieger sichtlich fassungslos.

Für die BI sind zwar die Bemühungen der Industrie um regionale Abbaugebiete durchaus nachvollziehbar, sowohl wegen der ökologisch sinnvollen kürzeren Transportwege als auch zur Sicherung von Arbeitsplätzen. Doch das Gebiet Entenpfuhl sehen die Mitglieder dennoch als ungeeignet an. „Der Wald hat eine stark kühlende Funktion in heißen Sommern und schirmt den Süden von Ketsch Richtung Autobahn, Bundesstraße und Schnellbahntrasse ab. Wenn er fehlt, wird es in jedem Fall mehr Lärm geben, vom Abbau selbst ganz zu schweigen“, argumentiert Ulrike Eppel, die wie ihr Mann im Vorstand aktiv ist.

Zudem gebe es laut dem amtlichen einheitlichen Regionalplan Rhein-Neckar in der größeren Region durchaus noch weitere potenzielle Abbaugebiete. „Es gibt also Alternativen zum Entenpfuhl, auch wenn das die Befürworter immer wieder bestreiten“, argumentiert Eppel. Natürlich seien inzwischen schon hohe Summen in die Planungen investiert worden, zudem sei die Verkehrsanbindung im Süden von Ketsch sehr gut. „Aber das allein kann doch nicht die Nachteile aufwiegen, unter denen am Ende nicht in erster Linie wir selbst, sondern unsere Kinder und Enkelkinder leiden werden“, sagt Ulrike Eppel. Beim Thema Windkraftanlagen ist die BI indes ebenfalls zurückhaltend. Einerseits bestünde dabei zwar keine Gefahr für das Grundwasser und auch die sonstigen befürchteten Auswirkungen wie Lärm und Dreck könnten entfallen. Andererseits dürfe aber der Wald nicht zu stark betroffen sein.

„Drei bis fünf Windräder am Rand oder entlang der Felder könnten eine Möglichkeit sein, aber mitten im Entenpfuhl wären die Auswirkungen auf die Umwelt einfach zu groß. Und am allerwichtigsten: Die Anlagen machen überhaupt nur dann Sinn, wenn dadurch der Kiesabbau auch tatsächlich komplett verhindert werden kann. Wenn stattdessen am Ende beides kommen soll, würden wir das unter keinen Umständen zulassen“, wird BI-Sprecher Heinz Eppel deutlich.

Kommunalpolitik in der Pflicht

Grundsätzlich freue sich die BI aber darüber, dass es vonseiten der Landespolitik zumindest Reaktionen auf ihren Protest gebe. „In der Vergangenheit war es leider oft so, dass vor Wahlen viel öffentlichkeitswirksamer Zuspruch von allen Parteien und Abgeordneten kam, es danach aber sehr still wurde. Das gilt übrigens auch für die Kommunalpolitik: Die Gemeinderäte von Ketsch und Schwetzingen, aber auch aus den das Trinkwasser nutzenden anderen Städten und Gemeinden sind da leider sehr zurückhaltend“, sind sich die Vorstandmitglieder einig.

Manchmal dränge sich gar der Eindruck auf, dass es aus dem Kreis oder aus Stuttgart entsprechenden sanften Druck gebe. „Wir hatten zum Beispiel vor einiger Zeit geplant, mit eigenen und bereits eingesammelten Spendengeldern im Bereich des Entenpfuhls eine ,Allee der Hoffnung‘ zu pflanzen: Dutzende klimawandelresistente Stieleichen, die das Gebiet aus Naturschutzsicht deutlich aufwerten würden. Vonseiten der Forstexperten gab es da zunächst auch viel Zustimmung, weil es ja gut für die Umwelt wäre. Aber dann hat Forst BW die Aktion plötzlich abgelehnt, weil sie zu politisch sei“, erzählen die Vorstandsmitglieder kopfschüttelnd.

Von solchen Rückschlägen wollen sich die engagierten Bürger aus Ketsch und Umgebung aber nicht aufhalten lassen. Mit weiteren Begehungen und Treffen mit Interessierten sowie einer engeren Vernetzung mit anderen Bürger- und Naturschutzgruppen will die BI Entenpfuhl das Thema in den kommenden Monaten im öffentlichen Bewusstsein halten. „Wir sind schon sehr lange am Ball, aber unser Protest ist jetzt wichtiger denn je“, betont Heinz Eppel durchaus kämpferisch.

Bericht aus der Schwetzinger Zeitung von Benjamin Jungbluth, vom 17.09.2025

Informationsveranstaltung am 06. September 2025

Die BI „Rettet den Entenpfuhl“ und der Umweltstammtisch Ketsch e. V. veranstalten am 06.09.2025 um 14 Uhr eine Informationsveranstaltung im Entenpfuhl. 

Treffpunkt ist um 14 Uhr an dem Parkplatz der Hundewiese (Heuweg) in Ketsch.

Nach dem letzten Zeitungbericht in der Schwetzinger Zeitung über den geplanten Kiesabbau und das Betonwerk möchten wir uns mit Euch austauschen.

Wir würden uns über eine rege Teilnahme freuen und wünschen Euch bis dahin eine gute Zeit.

Fledermauskästen im Entenpfuhl angebracht

Mitglieder vom Umweltstammtisch Ketsch e. V. und der BI „Rettet den Entenpfuhl“ trafen
sich kürzlich mit dem Naturschützer Wolfgang Reinhardt aus Altlußheim, um gemeinsam
Fledermauskästen im Entenpfuhl anzubringen. Von den 24 heimischen Fledermausarten
stehen alle unter Natur- bzw. Artenschutz und sind dringend auf geeignete Lebensräume
und Rückzugsorte angewiesen. Der Entenpfuhl ist nicht nur ein wertvolles Stück Natur,
sondern auch ein wichtiger Lebensraum für zahlreiche Tierarten, darunter auch die
schützenswerten Fledermäuse. Durch das Anbringen der Fledermauskästen wurden nun
sichere Rückzugsorte für diese Tiere geschaffen und gleichzeitig ein aktiver und wichtiger
Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt geleistet. Klima-, Natur- und Trinkwasserschutz liegen sowohl Umweltstammtisch wie auch Bürgerinitiative sehr am Herzen. Nach den bereits vergangenen Aktionen wie z. B. der Glühweintreff im Februar im Entenpfuhl und die Infoveranstaltung im März im Ferdinand-Schmid-Haus in Ketsch, war es nun wieder an der Zeit, mit einer kleinen Aktion daran zu erinnern, wie wichtig der Erhalt des Baumbestandes im Gewann Entenpfuhl ist. Es ist gemeinsames Ziel von Umweltstammtisch und Bürgerinitiative, die natürliche Schönheit und die ökologische Bedeutung des Entenpfuhls für zukünftige Generationen zu bewahren. Weitere Informationen zum Verein finden sich auch unter http://www.umweltstammtischketsch.de.

Bericht Umweltstammtisch Ketsch e. V. (Matthias Ihrig, 1. Vorsitzender)

„Das Klima schützen ist auch hier eine Aufgabe“

Der Sprecher der Bürgerinitiative Entenpfuhl Heinz Eppel informiert auf der gut besuchten Veranstaltung ausführlich über den aktuellen Stand des Vorhabens, auf der Ketscher Gemarkung in größerem Stil Kies abzubauen. Bild: Gans, Schwetzinger Zeitung

Ferdinand-Schmid-Haus:Bürgerinitiative Entenpfuhl kämpft weiter gegen den geplanten Kiesabbau.

Es stimmt, das Damoklesschwert namens Kiesabbau im Entenpfuhl hängt schon einige Jahre über den Menschen in der Region. Und nicht wenige Gegner dieses Vorhabens befürchten, dass das Thema aus dem Blick gerät, das Bürgerengagement nachlasse und das Unternehmen „Krieger“ am Ende zum Zuge komme.

Mit der Folge, dass die 42 Hektar Wald tatsächlich gerodet werden, der Kies abgebaut wird und am Ende ein mehr als 30 Meter tiefes Loch bleibt, das dann zum See wird. Die Folgen für die Natur und den Menschen, davon sind die Mitglieder der Bürgerinitiative Entenpfuhl um die beiden BI-Vorsitzenden Heinz Eppel und Werner Zieger überzeugt, wären verheerend.

„Und genau deshalb war ihnen die Informationsveranstaltung im Ferdinand-Schmid-Haus auch so wichtig. Denn auch wenn am Ende die Mühlen der Bürokratie den Prozess entscheiden, sei nie ausgeschlossen, dass bürgerliches Engagement einen Unterschied mache. Und der Unterschied hier würde bedeuten, dass der Wald erhalten bliebe.

Für die BI-Mitglieder und den Vorsitzenden des Umweltstammtisches, Matthias Ihrig, wäre es der Beleg dafür, dass Klima- und Naturschutz nicht nur in Sonntagsreden hochgehalten würde, sondern ganz real hier vor Ort ernst genommen werde.

Nachdem Ihrig die rund 40 Gäste begrüßte, beschrieb der Vorsitzende kurz die Historie des Kiesabbauvorhabens und der 2019 gegründeten BI Entenpfuhl. Fünf Jahre zuvor, im Jahr 2014, wurde das 42 Hektar große Areal Entenpfuhl als Rohstoffabbaugebiet freigegeben. Bedeutet, wenn die Firma Krieger sämtliche Unterlagen abgegeben habe und die Behörden ihr okay geben, wäre der Wald Geschichte.

Dabei würde hier nicht nur der Kies abgebaut, sondern auch eine riesige Zementfabrik entstehen. Als Pluspunkt im Kampf um den Erhalt des Entenpfuhls verzeichnete Eppel den Entscheid der Behörden im März 2022, das ganze Gebiet nicht mehr nur als vorläufiges Wasserschutzgebiet, sondern nun als Wasserschutzgebiet auf Dauer gilt.

Mit Kretschmann diskutiert

Auch auf die Aktionsbilanz der BI schaut der Vorsitzende durchaus zufrieden. Unterschriften gesammelt, eine Petition eingereicht und auch mit dem Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann diskutiert. Vor allem letzteres ohne wirklichen Effekt. Dass ein Grünen-Politiker sich gegenüber dem Schicksal eines kleinen Waldstückes so unberührt zeigte, enttäuschte Eppel nachhaltig.

Ganz allgemein empfindet er die politische Resonanz aus Stuttgart als eher mangelhaft. Und dass bei Risiken für Natur und Mensch, die durchaus erheblich seien.

Und Eppel denkt nicht nur an die lokalen Dinge, wie zunehmende Lärm- und Staubbelastung, sowie den Verlust der für das Mikroklima so wichtige Kühlfunktion des Waldes. Die Wasserfläche des Sees wird bei steigenden Temperaturen zu einer Art Verstärker für Starkregenereignisse und damit das regionale Schadensvolumen sicher erhöhen.

Und dann sei da noch der Grundwasserschutz, das wohl stärkste Argument. Ein paar Hundert Meter vom Entenpfuhl entfernt wird Trinkwasser für viele Zehntausende Menschen gefördert. Der Kiesabbau und der anschließende See werden sich laut diverser Studien nachteilig auf die Wasserqualität auswirken. Was dann wiederum mehr Reinigungsanstrengungen bedeutet und Wasser für die Menschen teurer macht.

Aber Eppel geht es um mehr: Für ihn ist es sehr nah an der Scheinheiligkeit, von Ländern in Südamerika zu fordern, ihren Wald zu schützen und damit auf wirtschaftliches Potenzial zu verzichten. Und gleichzeitig hier Wald zu roden und das Areal zu kommerzialisieren. Wasser zu predigen und selber Wein zu trinken, sei kein Handeln, das Vertrauen stiftet.

„Wer das Klima schützen will, muss das auch hier tun.“ Und für die BI heißt das, alles zu tun, damit dieses Waldstück erhalten bleibt. Und dem Argument, dass diese 42 Hektar Wald nicht so wertvoll seien, also nicht wirklich erhaltenswert, können Epple und sein BI-Team nicht folgen. Ja, so Eppel, es gebe Schwachstellen in Form von absterbenden Kiefern im Wald. Aber die seien alle menschengemacht.

Und derzeit sei die Natur gerade dabei, sich zu erholen. Und dann haben hier im Saal fast alle Probleme mit der Formulierung, ein nicht so wertvoller Wald. Was soll das überhaupt sein, so der Tenor. Hier im Saal des Ferdinand-Schmid-Hauses ließ niemand Zweifel daran aufkommen, dass der Wald den Kampf wert sei.

Dilemma ist bewusst

Dabei ist sich Eppel des Dilemmas bewusst. Der Bedarf nach Wohnraum ist groß. Um dem gerecht werden und auch die Mieten im Zaum halten zu können, muss gebaut werden. Und dafür braucht es Baustoffe, wovon der Kies im Entenpfuhl eine Grundlage ist. Am Ende könnte man sagen, dass dies der Grund dafür ist, dass der Entenpfuhl gerodet und ausgebeutet werden soll.

Doch bei alldem sollte so naturverträglich vorgegangen werden, wie nur möglich. Einen Wald zu roden, so Zieger, gehört da nicht dazu. Auch hier in der Region seien Lagerstätten, die deutlich naturverträglicher auszubeuten seien. Und dann gebe es auch noch das Thema Recyclingbeton.

Hier, so Zieger, müsse vor allem das Land aktiv werden und mit der Bauordnung steuernd eingreifen. Es könne nicht sein, dass die Bauordnung dem Einsatz von mehr Recyclingbeton im Wege steht.

Und, das gehöre hier dazu, die Frage, ob eher kleine Wohnung oder eher großes Haus, ist eine Art Elefant im Raum, über den bis dato kaum jemand spricht. Sicher ist, dass das Rohstoff- und CO2-Einsparpotenzial zwischen den beiden riesig ist.

Ganz wichtig sei es auch, so einige Besucher, die lokalen Politiker stärker zu vereinen. Am besten zögen die Bürgermeister und Gemeinderäte der umliegenden Gemeinden alle an einem Strang.

Dann gäbe es auch in Stuttgart und im Landratsamt mehr Druck und die Chancen für den Erhalt des Entenpfuhl-Waldes stiegen. Der Kampf ist noch lange nicht entschieden. Und, das betonten hier alle, „wir bleiben dran“.

Bericht aus der Schwetzinger Zeitung von Stefan Kern vom 25.03.2025