
Am Waldrand hat die BI schon vor Jahren ein Plakat aufgehängt, um auf ihren Protest gegen den geplanten Kiesabbau im Gewann Entenpfuhl aufmerksam zu machen.Bild: Benjamin Jungbluth
Gemeinderat: Geplanten Kiesabbau im Gewann Entenpfuhl kategorisch abgelehnt. Vor allem die Gefahr für das Trinkwasser sehen alle als entscheidend an.
Andreas Lin
Ein geplanter großflächiger Kies- und Sandabbau im Süden der Schwetzinger Gemarkung sorgt für politischen Gegenwind: Der Gemeinderat hat im laufenden Genehmigungsverfahren eine klare Position bezogen – und sich geschlossen und kategorisch gegen das Vorhaben ausgesprochen. „Wir stellen Kiesabbau grundsätzlich nicht infrage – aber eben nicht an dieser Stelle“, machte Oberbürgermeister Matthias Steffan klar deutlich.
Die Sprecher der Fraktionen wurden noch deutlicher: „Wir sind massiv gegen den Kiesabbau“, sagte Elke Ackermann-Knieriem (Freie Wähler). Auch Nils Melkus (CDU) sieht das so: „Wir können das nicht vertreten.“ Für Dr. Michael Rittmann (Bündnis 90/Die Grünen) ist dieser Plan in höchstem Maße unverantwortlich: „Kiesabbau im Entenpfuhl ist völlig inakzeptabel.“ Robin Pitsch brachte die SPD-Haltung auf den Punkt beziehungsweise auf vier Buchstaben reduziert: „Nein“.
Pläne für Sand- und Kiesausbeute im Fokus
Im Fokus steht das Gewann Unterer Entenpfuhl, ein rund 38,8 Hektar großes Gebiet nahe der Grenze zu Hockenheim und Ketsch. Dort plant die Firma Heinrich Krieger KG den großflächigen Abbau von Sand und Kies. Zuständig für das Verfahren ist das Wasserrechtsamt des Landratsamts Rhein-Neckar-Kreis, bei dem derzeit die Stellungnahmen der betroffenen Kommunen eingehen.
Das Projekt sei langfristig angelegt, informierte Oberbürgermeister Matthias Steffan noch einmal die Ratsmitglieder und die zahlreichen Sitzungsbesucher: Über einen Zeitraum von rund 33 Jahren sollen Rohstoffe gewonnen werden. Vorgesehen sind nicht nur die Abbauflächen selbst, sondern auch der Bau eines Kies- und Betonwerks sowie eine eigene Verkehrsanbindung an die L722, über die das Material abtransportiert werden soll. Nach Abschluss der Arbeiten soll das Gelände zu einem Landschaftssee umgestaltet und teilweise wieder aufgeforstet werden. Trotz dieser Perspektiven überwiegen aus Sicht der Stadt und der Stadträte die Risiken. In ihren Stellungnahmen warnten die Verwaltung und die Fraktionssprecher vor erheblichen Eingriffen in Natur und Landschaft. Besonders kritisch sehen OB Steffan und der Gemeinderat den Verlust großer Waldflächen – mit Folgen für das lokale Klima und die ökologische Balance.
Auch mögliche Auswirkungen auf den Wasserhaushalt werden als problematisch eingeschätzt. „Die Trinkwasserversorgung könnte in Mitleidenschaft gezogen werden“, betonte der OB. Dr. Rittmann befürchtet ein immenses kumulierendes Risiko für eine Verunreinigung des Grundwassers durch Schadstoffeintrag über die Oberfläche des Baggersees, zumal auch noch eine Tankstelle für den Eigenverbrauch vorgesehen ist. „Die Genehmigung des Vorhabens würde für zigtausende in unserer Region die Trinkwasserversorgung und damit eine der Lebensgrundlagen gefährden.“ Für Nils Melkus ist das nicht verhandelbar: „Der Schutz des Trinkwassers genießt absolute Priorität.“
Gegend schon durch andere Projekte viel belastet
Brisant ist zudem die Lage des Gebiets: Der Untere Entenpfuhl befindet sich in einem Wasserschutzgebiet, in dem Rohstoffabbau grundsätzlich verboten ist. Eine Umsetzung wäre nur über eine Ausnahmegenehmigung möglich – ein Umstand, der die Skepsis in Schwetzingen weiter verstärkt. Alle Sprecher zählten zudem die Vorhaben auf, unter denen die Region um Schwetzingen schon zu leiden habe – zum Beispiel die Güterbahntrasse Rotterdam-Genua, Geothermie-Projekte, der Ausbau der A6 oder die Transnet-Leitungen. „Unsere Region und die hier lebenden Menschen sind bereits massiv belastet“, sagte etwa der CDU-Sprecher. Und nicht zu vergessen seien die zu erwartenden negativen Folgen für die ohnehin gebeutelte Landwirtschaft.
Hinzu kommt, dass die Stadt ihre ablehnende Haltung nicht zum ersten Mal formuliert. Bereits im Jahr 2012 habe sie sich im Zuge der Regionalplanung gegen eine Ausweisung des Gebiets als Vorrangfläche für den Rohstoffabbau ausgesprochen. An dieser Einschätzung hat sich bis heute nichts geändert. Allerdings erinnerte Elke Ackermann-Knieriem, dass der damalige Technische Ausschuss ein Jahr zuvor dem Rohstoffabbau im Regionalplan grundsätzlich zugestimmt habe. Das hänge seitdem wie ein Damoklesschwert über der Gegend.
Chancen und Risiken der Rohstoffgewinnung abwägen
CDU und FDP betonten, dass sie die Rohstoffgewinnung grundsätzlich für sinnvoll halten. Die Oberrheinebene sei dafür geeignet, zudem sprächen kurze Wege, regionale Wertschöpfung und geringere Abhängigkeiten von Importen für eine Förderung im eigenen Land, sagte Nils Melkus. Doch diese Vorteile, so der CDU-Stadtrat, entbänden die Politik nicht von einer sorgfältigen Abwägung. Auch Dr. Christian Lorentz von den Liberalen sieht die Notwendigkeit, für Baustoffe zu sorgen („Bauen ist wichtig“). Aber: „Letztlich sprechen die bekannten Gründe dagegen.“
Die Entscheidung, ob im Entenpfuhl Kies abgebaut wird oder nicht, selbst liegt allerdings nicht beim Schwetzinger Gemeinderat: Am Ende wird das Wasserrechtsamt im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens abwägen müssen, ob das Projekt genehmigt wird.
Artikel aus der Schwetzinger Zeitung vom 17. April 2026