
Eine Bürgerinitiative kämpft seit Jahren gegen den Kiesabbau im Entenpfuhl bei Ketsch.Bild: Benjamin Jungbluth
Gemeinderat:Die Verwaltung hat offiziell zum geplanten Projekt im Entenpfuhl Stellung bezogen und lehnt dessen Realisierung ab.
Das Thema Kiesabbau im Entenpfuhl beschäftigt die Verwaltung und die ganze Region schon eine Weile. Und genau so lange scheint klar, dass die Gemeinde dagegen ist. Und genau das hat sie nun offiziell mit einer Stellungnahme als Träger öffentlicher Belange sozusagen bei der jüngsten Gemeinderatssitzung zu Protokoll gegeben.
Das Unternehmen Heinrich Krieger stellte im vergangenen Sommer einen Antrag auf eine wasserrechtliche Planfeststellung für ein Rohstoffabbauvorhaben im Gewann Entenpfuhl beim zuständigen Wasserrechtsamt des Rhein-Neckar-Kreises. In diesem Kontext wurde der Gemeinde die Gelegenheit gegeben, sich zu äußern.
Übernommen hat das der Umweltbeauftragte der Gemeinde, Dominique Stang. Auf drei Seiten fasste er die Argumente zusammen, die klar auf die nicht hinnehmbaren Risiken eines Kiesabbaus verweisen. Geplant ist auf einer Fläche von 39 Hektar über 33 Jahre der Abbau von Kies und Sand bis in eine Tiefe von 35 Metern.
Kommen sollen nach den Plänen auch der Bau und Betrieb eines Kies- sowie eines Betonwerks samt Verkehrsanbindung an die L722. Der Eingriff ist laut dem Schreiben „ein massiver Eingriff in die Landschaft“. Im Grunde, so Stang, würde das gesamte ökologische Beziehungsgefüge verändert, wovon alle Schutzgüter, Boden, Wasser, Klima, Luft, Fauna und Flora betroffen wären.
Wasserschutz und Rodung
Als gravierend werden der abgrabungsbedingte Verlust von grundwasserschützenden Bodendeckschichten und die Rodung des gesamten Waldes bewertet. Letzteres sorge dafür, dass seine Immissionsschutzfunktion von der Dämpfung des Verkehrslärms bis zur Filterung von Luftschadstoffen und der Bindung von CO₂ verloren gehe.
Es seien, so Stang, auch noch andere überregionale Infrastrukturprojekte in der Planung, die den Druck auf Landschaft und Freiflächen hier erhöhen werden. Zu nennen sind der Ausbau der Höchstspannungsleitung der „TransnetBW“, die Neu- und Ausbaustrecke zwischen Mannheim und Karlsruhe der Deutschen Bahn sowie der sechsspurige Ausbau der Autobahn A6 zwischen den Autobahnkreuzen Mannheim und Schwetzingen. Vor allem durch die beiden letzten Vorhaben werde auf Ketscher Gemarkung Wald verloren gehen.
Ganz besonderes Augenmerk legte Stang in seinen Ausführungen auf die sichere Trinkwasserversorgung. Die, so seine Einschätzung, sei durch den geplanten Abbau massiv gefährdet. Die Wasserwerke Schwetzingen gewinnen aus dem Grundwasser ihr Trinkwasser, das nicht nur hier von großer Bedeutung sei, sondern auch für Mannheim. Die Brunnen der Wasserwerke würden sich in unmittelbarer Nähe des Vorhabenbereichs befinden und eine Gefährdung könne wohl nicht zweifelsfrei ausgeschlossen werden. Die Stellungnahme endete mit den Worten: „Der uneingeschränkte Schutz unseres Grund- und Trinkwassers ist nach unserem Dafürhalten von allerhöchster Priorität. Ihm muss zugunsten des Allgemeinwohls in jedem Falle Vorrang vor jedwedem Vorhaben zur Rohstoffgewinnung eines einzelnen privatwirtschaftlichen Unternehmens eingeräumt werden.“
Rainer Fuchs (CDU) unterstütze den Inhalt des Schreibens ausdrücklich. Wald und Trinkwasserschutz seien unverhandelbar. Dr. Oliver Brinkmann (SPD) bewertet die Ökoleistungen des Entenpfuhls rund um Wasser-, Lärm- und Immissionsschutz ebenfalls deutlich höher ein als den Ertrag aus etwaigen Rohstoffgewinnen. Der Baggersee, der hier entstehen würde, wäre dreimal so groß wie der Anglersee, was sich negativ auf Verdunstung und Niederschlag auswirken würde. Ferner gebe es regionale Abbaugebiete, die weit weniger Naturverbrauch mit sich brächten.
Heino Völker (FWV) stellte die Nachteile, wie Gefahr für die Trinkwasserversorgung, mehr Lärm und Staub aufgrund des Verlustes des Waldes, den Erträgen, wie regionaler Abbau von Rohstoffen für den dringend benötigten Wohnungsbau und die damit einhergehende bessere Ökobilanz dieser Rohstoffe, gegenüber. Die Bilanz sei klar, die Argumente gegen den Kies- und Sandabbau überwiegen deutlich.
Beispiel Hambacher Forst
Auch Birgit Ackermann (Grüne) sprach sich dezidiert gegen das Vorhaben aus. Solche Schäden in der Natur für die Gewinnung von Rohstoffen seien schlicht nicht hinnehmbar. Angesichts der klimatischen Veränderungen dürfe man keinen Baum mehr verlieren.
Dafür müsse endlich mit dem Baustoff-Recycling ernst gemacht werden. Wichtig sei zudem, dass 2023 fast 200 Millionen Tonnen Bau- und Abbruchmüll anfielen. Das seien 52 Prozent des gesamten Abfallaufkommens in Deutschland. Inständig hofft die Rätin der Grünen dabei , dass der Entenpfuhl der „Hambacher Forst dieser Region“ werde.
Auch Klaus-Günther Voigtmann (AfD) ist nicht bereit, die Risiken in Kauf zu nehmen. Die Trinkwasserversorgung dürfe nicht gefährdet werden. Und der Wald sei für Ketsch eine Art grüne Lunge mit kühlendem Effekt. Chris Brocke (FDP) verwies darauf, dass Kies ein wichtiger Baustoff und der regionale Abbau auch für seine Ökobilanz wichtig sei. Aber das gelte auch für den Wald und die sichere Trinkwasserversorgung.
Und so fiel am Ende auch für ihn das Urteil klar aus: Die ökologischen Kosten seien hier einfach zu hoch. Die Stellungnahme wurde damit einhellig begrüßt, was im Publikum, unter ihnen viele Anhänger der BI Entenpfuhl, mit viel Applaus quittiert wurde.
Bericht aus der Schwetzinger Zeitung von Stefan Kern vom 30.04.2026