Menschen vom Kiesabbau überzeugen

Wirtschaft: Firma Krieger bereitet weiter ihre Pläne für den Entenpfuhl vor und gibt Einblicke in ein ähnliches Werk

Die Firma Krieger plant weiterhin ein Kieswerk im Entenpfuhl bei Ketsch. Bei einer Tour durch ein etwas größeres, aber grundsätzlich vergleichbares Werk bei Bruchsal gibt das Familienunternehmen Einblicke und erklärt Details.  Bild: Benjamin Jungbluth

DIE FIRMA KRIEGER PLANT WEITERHIN EIN KIESWERK IM ENTENPFUHL BEI KETSCH. BEI EINER TOUR DURCH EIN ETWAS GRÖSSERES, ABER GRUNDSÄTZLICH VERGLEICHBARES WERK BEI BRUCHSAL GIBT DAS FAMILIENUNTERNEHMEN EINBLICKE UND ERKLÄRT DETAILS. BILD: BENJAMIN JUNGBLUTH

Ketsch/Region. Der geplante Kiesabbau im Schwetzinger Gewann Entenpfuhl bei Ketsch bewegt weiterhin die Gemüter in der Region. Befürworter sehen in dem Projekt eine wichtige Investition in den regionalen Rohstoffabbau, Gegner fürchten hingegen Umweltschäden und negative Auswirkungen auf die Bevölkerung. Diese Zeitung berichtet seit Jahren über das Projekt und hat dabei immer wieder die verantwortlichen Behörden, den Zweckverband Wasserversorgung Kurpfalz, die Bürgerinitiative „Rettet den Entenpfuhl“ und regionale Politiker zu Wort kommen lassen.

Nun sind wir einer Einladung der Firma Krieger gefolgt, die den Abbau im Entenpfuhl auf rund 42 Hektar umsetzen will. Bei einer Besichtigung eines Kieswerks in der Nähe von Bruchsal, das das Unternehmen aus dem hessischen Neckarsteinach zusammen mit anderen Firmen betreibt, geben der geschäftsführende Gesellschafter Michael Krieger sowie Diplom-Biologe Jochen Roeder einen Einblick in die Abläufe eines solchen Werks und erläutern ihre Sicht auf die Pläne bei Ketsch.

„Wir möchten das Projekt im Entenpfuhl möglichst transparent angehen, weil wir als regionales Familienunternehmen dort langfristig aktiv sein wollen. Deshalb haben wir bereits vor mehreren Jahren und in einem sehr frühen Planungsstadium die Öffentlichkeit informiert sowie zusätzliche freiwillige Infoveranstaltungen organisiert. Wir möchten einen offenen Dialog führen und die Menschen überzeugen“, erklärt Michael Krieger, der das 1891 gegründete Familienunternehmen in vierter Generation leitet.

Aktuell arbeitet die Firma am Antrag für die Planfeststellung. Wie berichtet, hatte das Landratsamt des Rhein-Neckar-Kreises als zuständige Behörde im vergangenen Jahr zusätzliche Unterlagen eingefordert. „Das ist ein sehr komplexes Verfahren und wir haben ein großes Interesse daran, dass alles korrekt ist. Schließlich wollen wir die nächsten Jahrzehnte vor Ort sein und sind währenddessen dafür verantwortlich, dass alles richtig läuft“, erklärt Krieger.

Im Anschluss werden dann die Träger öffentlicher Belange – etwa die Forstverwaltung und die Immissionsschutzbehörde des Landratsamtes – gehört, bevor der Kreis über den Beschluss entscheidet. Danach folgen die öffentliche Auslage und die weitere vorgeschriebene Beteiligung der Bevölkerung.

Der geplante Abbau im Entenpfuhl soll dabei dem seit Jahrzehnten andauernden Schrumpfen der Gewinnungsstätten im Land und speziell in der Rhein-Neckar-Region entgegenwirken. Trotz eines immer höheren Bedarfs an Steinen, Kies und Sand, ist die Zahl der Abbaustätten von vielen tausend auf rund 500 gesunken.

Das liegt laut dem Industrieverband Steine und Erden Baden-Württemberg einerseits an ökonomischen Gesichtspunkten, andererseits an immer schwierigeren Planungs- und Genehmigungsprozessen. In der Folge hätten die Transportwege deutlich zugenommen, was Auswirkungen auf den Klimaschutz und den Verkehr habe. Ein regionaler Abbau könne hingegen aus Sicht der Branche Emissionen und Belastungen verringern.

Baggersee ist entstanden

Doch wie würden Sand und Kies als Grundlage für Beton und andere Baumaterialien überhaupt im Entenpfuhl abgebaut? Hier bietet das Werk bei Bruchsal, das in seiner Ausdehnung ein ganzes Stück größer ist als die Pläne bei Ketsch, ein gutes Beispiel. Seit über 50 Jahren wird hier gegraben – zunächst im Trockenabbau, doch bereits nach kurzer Zeit unter Wasser, weil der Grundwasserpegel einen Baggersee hat entstehen lassen.

Ein schwimmender Bagger arbeitet sich seitdem durch den Untergrund, während ein langes Förderband den Aushub an Land transportiert. Dort werden die Steine automatisch nach Größe sortiert und es entstehen die markanten Hügel: vom kleinkörnigen Sand bis hin zu mehreren Zentimetern großen Kieselsteinen. Über ein weiteres Förderband kann dann das benötigte Material direkt ins benachbarte Transportbetonwerk gebracht werden, während Lastwagen den restlichen Sand und Kies in der Region ausliefern. Der durchschnittliche Transportweg liegt dabei laut Branchenverband bei unter 40 Kilometern – allein schon aus Kostengründen, weil das Material sehr schwer ist.

„Entgegen anderer Aussagen verursachen wir beim gesamten Produktionsprozess vergleichsweise wenig Lärm. Weder schlägt da eine Baggerschaufel laut auf Gestein, noch produzieren Förderbänder oder das Transportbetonwerk nennenswerte Schallwerte. Und natürlich gibt es auch bei diesem Thema in Deutschland sehr strenge Vorschriften, die langfristig von den Behörden kontrolliert werden“, betont Krieger.

Ähnlich strikte Vorgaben gebe es beim Thema Trinkwasser. Auch hier sieht das Unternehmen deshalb keine Probleme im Entenpfuhl, wie das Planfeststellungsverfahren zeigen werde.

Beim Thema Waldrodungen sei es hingegen zunächst nachvollziehbar, dass viele Menschen spontan Bedenken hätten. „Aber das Thema Naturschutz und Artenvielfalt ist – allen pauschalen Vorwürfen gegen unsere und andere Branchen zum Trotz – ein ganz wichtiger und elementarer Bestandteil unserer Projekte. Dabei geht es nicht nur darum, dass für uns Ausgleichsflächen und viele weitere Umweltschutzauflagen vorgeschrieben sind. Wir leisten auch gerne einen zusätzlichen Beitrag für die Natur“, sagt Krieger.

Um das zu untermalen, zeigt der geschäftsführende Gesellschafter zusammen mit dem Diplom-Biologen Jochen Roeder bereitwillig das große Abbaugelände bei Bruchsal. Mit einem ausgemusterten Landungsboot der Bundeswehr geht es dabei über den dortigen, rund 50 Hektar großen Baggersee. Experte Roeder, der bei der Neckarsteinacher Firma seit 2022 angestellt ist und die komplexen Genehmigungsverfahren, aber auch den laufenden Betrieb betreut, ist sofort in seinem Element.

„Wir haben hier unzählige seltene und vom Aussterben bedrohte Tierarten, die sich erst infolge unseres Abbaus angesiedelt haben. Denn durch die Umnutzung und die dabei entstandenen Magerböden finden sie jetzt optimale Lebensbedingungen vor. Dort hinten haben wir zum Beispiel die Westliche Dornschrecke und den Dünen-Sandlaufkäfer entdeckt, die beide offene Sandflächen benötigen. Diese Böden gibt es aber in unserer Region kaum noch, weil das Gelände entweder durch Siedlungen oder Landwirtschaft verändert wird oder aber unkontrolliert zuwächst“, erklärt der Biologe.

Rund um den Kiesabbau bei Bruchsal arbeitet die Firma Krieger hingegen eng mit dem örtlichen Naturschutzbund Deutschland (Nabu) sowie dem Naturschutzreferat des Regierungspräsidiums Karlsruhe zusammen, um die Biotope und besonderen Lebensräume bewusst zu fördern. „Wir sorgen dafür, dass die Magerflächen nicht wieder durch zu viele Pflanzen zuwachsen, denn das würde die seltenen Arten erneut verdrängen. Für Menschen, die gerne in der Natur sind, klingt das manchmal paradox, aber aus Sicht der Biologen sind solche Flächen wertvoller als große Teile unserer Kulturlandschaft. Diese bietet gerade bedrohten Arten kaum noch Lebensraum“, sagt Jochen Roeder.

Wertvolle Lebensräume

Zusammen mit dem Nabu-Landesverband haben der Industrieverband Steine und Erden sowie die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt deshalb bereits vor Jahren Leitlinien zur nachhaltigen Rohstoffnutzung in Baden-Württemberg erarbeitet. Darin heißt es: „Die zunächst deutlich sichtbaren Eingriffe in Natur und Landschaft können sich nachweislich zu wertvollen Lebensräumen entwickeln.“ Gleichzeitig seien „ökologisch herausragende und zudem gefährdete Biotope“ wie die Auwälder am Rhein ohnehin tabu für einen Abbau.

In Bezug auf den Entenpfuhl sieht die Firma Krieger die Situation ähnlich: Zweifellos käme es zunächst zu großen Eingriffen in die Natur, wenn schrittweise über Jahrzehnte der bestehende Wald abgeholzt würde. Doch neben einem unberührten Randgebiet, das auch aus optischen Gründen rund um das Abbaugelände dauerhaft stehen bleiben würde, entstünden zusätzlich zu den vorgeschriebenen Ausgleichsflächen neue und aus Sicht der Fachleute sogar hochwertige Naturräume.

„Langfristig können solche Gebiete auch wieder komplett renaturiert werden, wenn der Abbau nach Jahrzehnten komplett abgeschlossen ist. Ketsch selbst kennt das ja bereits von seinen Baggerseen, wie dem Hohwiesen- und dem Anglersee – auch wenn dort der Naturschutz hinter dem Freizeitwert zurückstehen muss“, erklärt Roeder.

Kinderstube für Wechselkröten

Zum Abschluss der Rundtour führt der Biologe noch kurz zum hintersten der großen Rohstoffhügel. Dort hat er die Woche zuvor eine ganz besondere Entdeckung gemacht, die er jetzt Besuchern voller Stolz präsentiert: Unzählige Kaulquappen der streng geschützten und stark gefährdeten Wechselkröten haben hier in einem kleinen Wasserloch ihre Kinderstube gefunden.

„Das ist eine kleine Sensation, das wird die Kollegen vom Nabu begeistern“, sagt Roeder. Um die seltenen Tiere zu schützen, hat er den Sandwall rund um die Laichstelle kurzfristig erhöhen lassen und kontrolliert mit Blick auf die wärmeren Temperaturen regelmäßig, dass genug Wasser vorhanden ist.

„Das ist nur ein kleiner Schritt, aber er zeigt, dass das Thema Naturschutz sehr komplex ist. Ein Kiesabbau ist also mitnichten ein rein negativer Eingriff in bestehende Ökosysteme, sondern ermöglicht sogar neue Perspektiven. Biologen sprechen dabei von einem Pionierraum, der seltenen Pflanzen und Tieren das Überleben ermöglicht“, sagt Jochen Roeder.

Worte, die Michael Krieger natürlich gerne hört. „Wir geben diese Einblicke in unsere Branche bereitwillig an die Öffentlichkeit weiter, führen regelmäßig Schulklassen und andere Gruppen über das Gelände und versuchen, möglichst transparent zu sein“, sagt Krieger. „Vielleicht können wir dadurch etwas mehr Verständnis erzeugen für das, was wir hier tagtäglich tun.“

Weitere Bilder gibt es unter http://www.schwetzinger-zeitung.de.

Großer Bedarf, wenig….

Bericht aus der Schwetzinger Zeitung von Benjamin Jungbluth vom 03.07.2024

Entenpfuhl droht weiter der Baggerbiss

Umweltschutz: Planfeststellung zum Kiesabbau verzögert sich – Gegner fürchten zu wenig Protest der Bevölkerung

Am Waldrand des Gewanns Entenpfuhl, in Verlängerung des Oftersheimer Heuwegs, hat die BI schon vor längerer Zeit ein Banner und ein Mahnkreuz angebracht. Da sich an den grundlegenden Plänen zum Kiesabbau nichts geändert hat, wollen die Kritiker mit weiteren Aktionen aktiv bleiben.  Bild: Jungbluth

AM WALDRAND DES GEWANNS ENTENPFUHL, IN VERLÄNGERUNG DES OFTERSHEIMER HEUWEGS, HAT DIE BI SCHON VOR LÄNGERER ZEIT EIN BANNER UND EIN MAHNKREUZ ANGEBRACHT. DA SICH AN DEN GRUNDLEGENDEN PLÄNEN ZUM KIESABBAU NICHTS GEÄNDERT HAT, WOLLEN DIE KRITIKER MIT WEITEREN AKTIONEN AKTIV BLEIBEN. BILD: JUNGBLUTH

Ketsch. Zuletzt war es verdächtig ruhig um den geplanten Kiesabbau im Gewann Entenpfuhl zwischen Ketsch und Hockenheim. Weder von offizieller Seite noch durch die Bürgerinitiative (BI) „Rettet den Entenpfuhl“ gab es größere Mitteilungen oder Aktionen. Ist das Projekt also ins Stocken geraten oder steht es gar auf der Kippe? Mitnichten, denn hinter den Kulissen laufen die Planungen und Prozesse sowohl bei Befürwortern als auch Gegnern des Projekts weiter.

„Grundsätzlich halten wir an unseren bisherigen Planungen fest“, teilt die Firma Krieger aus dem südhessischen Neckarsteinach auf Anfrage unserer Zeitung mit. So sei neben dem Abbau von Kies weiterhin die Errichtung eines Transportbetonwerks geplant, durch das der fertige Baustoff direkt an Kunden geliefert werden kann.

Doch die Umsetzung ist kompliziert. Wie bei allen größeren Bauvorhaben muss die Firma Krieger nach zahlreichen Voruntersuchungen zunächst einen Antrag auf Planfeststellung stellen, über den dann der Rhein-Neckar-Kreis unter Anhörung verschiedener Betroffener und sogenannter Träger öffentlicher Belange entscheiden muss. Beim geplanten Kiesabbau im Entenpfuhl spielt dabei bekanntlich der Trinkwasserschutz eine zentrale Rolle, wobei der Zweckverband Wasserversorgung Kurpfalz (ZWK) bereits deutlich gemacht hat, dass er grundsätzlich gegen die Pläne ist (wir berichteten mehrfach).

Verfahren noch nicht gestartet

Doch bevor die Träger öffentlicher Belange ihre Einwände vortragen können, muss die Planfeststellung erst einmal angelaufen sein – und das ist beim Entenpfuhl bislang noch gar nicht der Fall. „Wir können bestätigen, dass der Antrag auf Planfeststellung am 11. November 2022 bei uns eingegangen ist. Er war jedoch nicht vollständig, was wir der Firma Krieger auch mitgeteilt haben“, erklärt Silke Hartmann, Sprecherin des Landratsamtes. „Erst nach der Vervollständigung werden wir den Antrag den Trägern öffentlicher Belange zur Stellungnahme weiterleiten.“ Damit sind unter anderem Behörden gemeint, die ebenfalls zur Kreisverwaltung gehören. So werde sich die Forstverwaltung des Rhein-Neckar-Kreises zur Waldausgleichsfläche und die Immissionsschutzbehörde des Landratsamtes zu einem möglichen Lärmgutachten äußern – aber eben erst, wenn der Antrag final gestellt worden sei.

Die Firma Krieger teilt mit, sie habe knapp ein halbes Jahr nach Antragstellung die Rückmeldung vom Landratsamt erhalten, dass sie noch „verschiedene ergänzende Unterlagen“ nachreichen müsse. „Es ist für uns als Familienunternehmen ein wichtiges Anliegen, dass alle Sachverhalte fachgerecht aufbereitet werden. Daher werden die Antragsunterlagen von uns sehr sorgfältig ergänzt“, erklärt der Prokurist der Firma Krieger, Steffen Ritter. Einen konkreten Zeitraum teilt das Unternehmen nicht mit.

Somit verzögert sich das ohnehin langwierige Verfahren erst einmal weiter. Bei den Gegnern des Kiesabbaus ruft das Erinnerungen wach. „Es hat ja auch schon über zwölf Jahre und unzählige Untersuchungen gedauert, bis die Behörden das Gebiet rund um den Entenpfuhl zum Wasserschutzgebiet erklärt haben. Leider wurde in der Zwischenzeit die Fläche bereits an die Firma Krieger verpachtet und im Nachgang festgestellt, dass die Einrichtung des Schutzgebietes dem Kiesabbau zumindest nicht grundsätzlich entgegensteht, trotz aller Bedenken verschiedener Experten. Inzwischen sind alle Beteiligten ziemlich schmallippig geworden, was öffentliche Äußerungen angeht“, sagt Heinz Eppel, Sprecher der BI. „Manche Leute könnten da das Gefühl bekommen, dass versucht wird, auf Zeit zu spielen, damit das öffentliche Interesse nicht mehr so groß ist.“

Widerstand wird stiller

Und tatsächlich sei der Widerstand gegen das Projekt zuletzt etwas stiller geworden. „Dazu trägt auch die Lage des Entenpfuhls bei: Er gehört offiziell zu Schwetzingen, betrifft aber eben vor allem die Ketscher, die viel näher daran wohnen. Wirklich Einfluss nehmen, könnte aber nur die Stadt Schwetzingen, weil Ketsch rein rechtlich kaum in die Vorgänge eingebunden ist. Doch aus Schwetzingen hören wir leider wenig zu dem Thema, auch nicht von Umweltgruppen und anderen sonst sehr kritischen Akteuren. Das ist schade, denn hier könnte man mal etwas in seiner Region bewirken, auch wenn man nicht ganz unmittelbar davon betroffen ist“, macht Eppel deutlich.

Kritikpunkte gebe es schließlich genug – neben dem abgeholzten Wald und den befürchteten Risiken für die Trinkwasserversorgung werde es beispielsweise zu Lärmbelastungen kommen. Davon ist auch der Ketscher Grünen-Gemeinderat Günther Martin überzeugt, der das Thema Lärmgutachten wieder in den Vordergrund stellen möchte. „Was ich vermisse, ist der Protest der Bürger am Rand der Gemeinde Richtung Hockenheim, die den Lärm abbekommen werden –denn so ein Kieswerk wird viel Krach machen. Die alten Ketscher kennen das noch aus der Zeit, als in den heutigen Baggerseen im Rheinwald abgebaut wurde. Wenn damals die Baggerschaufel an den Metalltrichter geschlagen hat, dann hat halb Ketsch gebebt“, sagt Martin. Viele würden wohl erst aktiv, wenn es zu spät sei. Denn ein Lärmgutachten müsse frühzeitig eingefordert werden – und das ginge nur von persönlich Betroffenen, nicht etwa vom Ketscher Gemeinderat.

Wenig Kritik der Bauern?

Aber auch die örtlichen Landwirte wären von dem Projekt vermutlich betroffen, prophezeit Martin. „Für den gerodeten Wald müssten große Ausgleichsflächen geschaffen werden, und da bleiben in unserer dichtbesiedelten Region eigentlich nur Äcker. Die meisten Wiesen und Bereiche im Hockenheimer Rheinbogen sind nämlich geschützt, weil dort offene Flächen für bestimmte Tiere und Pflanzen bestehen bleiben müssen“, erklärt Martin. „Aber auch von den Bauern gibt es bislang keinen Protest, die doch sonst oft lautstark gegen andere Projekte demonstrieren.“

Die BI will derweil das Thema im Bewusstsein der Bürger halten. Für den Sommer sind weitere Waldbegehungen geplant, um die Auswirkungen des geplanten Kiesabbaus aufzuzeigen. „Wir sprechen auch regelmäßig mit den Landtags- und Bundestagsabgeordneten unserer Region, um sie für das Thema zu sensibilisieren. Insgesamt erhalten wir von vielen Seiten wohlwollende Unterstützung, aber an der konkreten Gefahr durch die Abbaupläne ändert das leider bislang nichts. Wir würden uns einfach wünschen, dass der Entenpfuhl zu einem ,richtigen’ Wasserschutzgebiet erklärt wird und dort keine tiefe Grube samt Betonwerk entstehen darf“, sagt BI-Sprecher Heinz Eppel.

Bericht aus der Schwetzinger Zeitung vom 16.03.2024 von Benjamin Jungbluth

Gibt es die BI eigentlich noch?

Gewann Entenpfuhl: Landtag lehnt Petition ab – Heinz Eppel und Team eruieren Option für eine neue Eingabe zum geplanten Kieswerk

DER ENTENPFUHL IST HIER VON NORDEN AUS ZU SEHEN – DER WALD, DER NACH PLÄNEN FÜR DEN ROHSTOFFABBAU VON SAND UND KIES FALLEN KÖNNTE, ERSTRECKT SICH BIS AN DEN BILDRAND. ARCHIVBILD: BRÜCKL

Ketsch. Unlängst kam die Frage auf, ob es die Bürgerinitiative „Rettet den Entenpfuhl“ (BI) überhaupt noch gibt. Die Frage verwundert einerseits, da der Zusammenschluss gegen den geplanten Kiesabbau auf Schwetzinger Gemarkung (wir berichteten mehrfach) von Anfang an darauf hinwies, dass sich eine Entscheidung Monate, ja Jahre hinziehen kann, die Frage ist aber andererseits auch berechtigt, weil die zuvorderst beobachtete Tatsache, dass für die Abbaustelle von Sand und Kies nahe Ketsch 42 Hektar Wald gerodet werden müssten, von anderen Themen überlagert wurde – ein Beispiel wäre die geplante Tiefengeothermie in der Region – da muss man auch dagegen sein, so finden es zumindest genügend.

„Nein, nein, uns gibt es natürlich noch“, sagt Heinz Eppel, der Sprecher der BI im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Ketscher betont, dass er und die Seinen weit davon entfernt seien, das Ansinnen der Krieger Gruppe (Neckarsteinach), im Entenpfuhl ein Betonwerk zu errichten und damit über Jahrzehnte mehr als auskömmlich mit wichtigen Rohstoffen fürs Bauen handeln zu können, außer Acht zu lassen. Wohlgemerkt geht es der BI nicht darum, dass das Unternehmen viel Geld mit dem Rohstoffabbau verdienen würde, die Bedeutung der Rohstoffgewinnung für Bauvorhaben ist der BI sehr wohl bewusst.

Es geht der BI aber um den Erhalt des Waldes, der einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leistet. Außerdem stünde das geplante Kieswerk inmitten des Wasserschutzgebiets, das seit Mitte April 2022 Bestand hat. Das Wasser des Wasserwerks Schwetzinger Hardt ist von bester Güte, weiß man nicht zuletzt beim Zweckverband Wasserversorgung Kurpfalz (ZWK). „Das sollte man durch nichts gefährden“, lautet die Meinung der BI, die auch von Vorstandsmitglied Werner Zieger und Schriftführer Norbert Weiher vertreten wird. Zumal Städte wie Mannheim oder Heidelberg froh darüber sind, dass sie aus dem nahen Schwetzinger Wasserreservoir auch schöpfen können. Genannte Großstädte müssten sich nach Meinung Heinz Eppels intensiv um den Verzicht des Kiesabbaus im Gewann Entenpfuhl bemühen.

Grube wie einst der Anglersee

Dass die BI lieber heute als morgen einen Schlussstrich unter das Vorhaben einer weiteren Kiesgrube nahe Ketsch – der Anglersee war auch mal eine solche – machen würde, wissen sie längst auch in Stuttgart. Der Petitionsausschuss des Landtags hatte sich mit der Petition 17/1815, die sich mit dem Kiesabbau im Gewann Entenpfuhl befasst, auseinanderzusetzen. Es ist immer wieder schön, dem Beamtendeutsch gewahr zu werden: „Der Petition kann nicht abgeholfen werden“, informierte der entsprechende Ausschuss im November. Wer weniger auf Verwaltungssprache steht, aber die Begründung kennen möchte, sollte sich die Landtags-Drucksache 17/5647 dennoch zu Gemüte führen.

Dass der zuständige Verband Region Rhein-Neckar und der Forst Baden-Württemberg schon 2003 hätten wissen können, sollen – oder vielleicht sogar müssen – dass es einen Antrag zur Neuabgrenzung des Wasserschutzgebiets einschließlich des Entenpfuhls gibt, wie die BI anführt, spielt für die Stuttgarter keine Rolle. Da ein freilich aufwendiges Gutachten über ein Grundwassermodell beim zuständigen Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau jedoch 13 Jahre vor sich hin dümpelte, wies der Regionalverband das entsprechende Gebiet 2014 als Vorranggebiet für den Rohstoffabbau aus und der Forst BW verpachtete das Areal an Krieger, sodass der heutige Zustand erreicht wurde. Nun blickt man zum Wasserrechtsamt, dem das Planfeststellungsverfahren mit der behördlichen Neutralität obliegt.

Dauer und Entscheidung, wobei die Antragsunterlagen noch auf Vollständigkeit geprüft werden, sind offen. „Der Aufschrei wird kommen, wenn der erste Bagger im Entenpfuhl auftaucht“, sagt Heinz Eppel, der viel Zustimmung erhält, wenn er auf den Entenpfuhl verweist. Allerdings sind die Aktiven weniger geworden. Ab 2021 haben beispielsweise drei Mitglieder den Vorstand verlassen. Sobald das Wetter schöner wird, will die BI die Bürger wieder an Infoständen für ihre Sache gewinnen. Gesucht wird nach einer Möglichkeit, eine zweite Petition einzubringen. Der Umweltstammtisch, ein umtriebiger Ketscher Verein, könnte hier eine Option bieten.

Bericht aus der Schwetzinger Zeitung von Marco Brückl, 14. Dezember 2023

Windparks sollen Ungleichgewicht ausgleichen

Fahrradtour: Dr. Andre Baumann stellt mögliche Orte für den Ausbau der Versorgung durch erneuerbare Energien vor

Dr. Andre Baumann klärt bei einer Fahrradtour über Vorteile, Relevanz und mögliche Orte für erneuerbare Stromversorgung auf.  Bild: Beisel

DR. ANDRE BAUMANN KLÄRT BEI EINER FAHRRADTOUR ÜBER VORTEILE, RELEVANZ UND MÖGLICHE ORTE FÜR ERNEUERBARE STROMVERSORGUNG AUF. BILD: BEISEL

Ketsch. Der Wechsel zu erneuerbarer Energie geht alle Menschen an. Deshalb lud Dr. Andre Baumann, der Landtagsabgeordnete der Grünen, am Sonntagnachmittag zu einer Fahrradtour ein, die zu den Orten führte, an denen erneuerbare Energie in Zukunft in der Region realisiert werden könnte.

Die informative Tour startete an der Hundewiese in Ketsch und drehte sich hauptsächlich um drei Themenschwerpunkte: um den Ausbau der Energietrassen hinter dem Neubaugebiet in Ketsch, um die Realisierung einer möglichen Photovoltaikanlage an der alten Mülldeponie und um das Bewahren des Entenpfuhls vor einer möglichen Rodung aufgrund des Rohstoffabbaus durch Kies.

Andre Baumann äußerte sich deutlich zur Energiewende. „Wir brauchen sicheren Strom und wir brauchen einen Umbau der Energie, der dezentral, dekarbonisiert und digital vonstattengeht. Wir haben zum jetzigen Zeitpunkt einen großen Strombedarf und dieser wird in der nahen Zukunft nur noch weiter steigen. Deshalb ist es wichtig, so schnell wie möglich auf erneuerbare Energie zu wechseln.“

Harsche Kritik

Laut Baumann gibt es ein signifikantes Ungleichgewicht der Stromversorgung in Deutschland, das zu Käufen im internationalen Raum führt. Besonders Norddeutschland sei momentan der wichtigste Stromgeber. Umso mehr sei es wichtig, auch in Süddeutschland Windparks anzulegen, die besonders den Industriestandort der Metropolregion Rhein-Neckar mit grünem Strom versorgen könnten. Als Beispiel nannte er die BASF: „An der BASF hängen 30 000 Jobs. In naher Zukunft wird diese auf grünen Strom und Wasserstoff umsteigen müssen. Deswegen ist die Realisierung von Windrädern bei uns in der Region essenziell.“ Zudem äußerte der Politiker starke Kritik an den zuständigen Landräten: „Wir brauchen einen Landrat, der die Metropolregion Rhein-Neckar nicht an die Wand fährt. Dieser Wirtschaftsstandort muss erhalten bleiben und das funktioniert nur, wenn wir erneuerbaren Strom haben.“

Deutliche Kritik kam jedoch auch vonseiten der Bürger, die an der Radtour teilnahmen: Besonders der Fakt, dass das Land Baden-Württemberg, das als einziges Land eine grüne Landesregierung besitzt und auf dem letzten Platz beim Ausbau der Windenergie steht, stieß auf große Empörung. Zudem wurde kritisiert, dass die Stromtrassen eigentlich fertig sein sollten, bevor die Atomkraftwerke abgeschaltet wurden. Dies ist jedoch nicht der Fall. Laut Baumann seien das Land Bayern und besonders der ehemalige Innenminister Horst Seehofer (CSU) an dieser Tatsache schuld, da dieser sich dagegengestellt und den Verzug zu verantworten hätte. Dieser Kommentar sorgte jedoch für Unmut: Eine Teilnehmerin monierte, dass die deutschen Parteien aufhören sollten, sich „gegenseitig die Schuld in die Schuhe zu schieben“.

Entenpfuhl nicht abholzen

Die zweite Station der Fahrradtour war die alte Mülldeponie, die in naher Zukunft als mögliche Photovoltaikanlage realisiert werden könnte. Für Baumann sind solche Flächen, die nicht anderes genutzt werden können, geradezu ideal. Zudem wäre der Solarpark umrandet mit Hecken. Mit einer naturschutzverträglichen Aufwertung, wie zum Beispiel mit dem Beweiden durch Schafe, würde der Schaden vergleichsweise gering gehalten werden. Zwar würde die Stromgewinnung durch diesen Solarpark für die Stadt Schwetzingen alleine nicht reichen, aber laut Baumann müsse irgendwo begonnen werden.

Verständnis hatten die Teilnehmer für den Vorschlag, Windräder auf den Königsstuhl zu stellen.

Abschlussstation der Fahrradtour war der Entenpfuhl. Das Unternehmen Krieger plant, das Gebiet im Gewann abzuholzen und einen Baggersee für die Gewinnung von Kies und Sand zu realisieren (wir berichteten). Für Baumann ist dies unverständlich. „Der Entenpfuhl ist ein Trinkwasserschutzgebiet und allein an die 10 000 Menschen in der Umgebung sind darauf angewiesen. Schon jetzt stehen wir vor dem großen Problem einer Verknappung der Ressource Trinkwasser und in den nächsten Jahren wird die Relevanz dafür noch steigen.“ Die Wichtigkeit, Wald und Trinkwasser nicht für den regionalen Kiesabbau zu opfern, unterstrich der Politiker klar. Zudem sei der Ausgleich für so viele Hektar Wald schlicht unmöglich, betonte er. Stattdessen sollten im Entenpfuhl Windräder mit recyceltem Beton aufgestellt werden.

Zum Ende der Tour lobte Baumann die rege Diskussionsbeteiligung. Generell werde zu wenig kritisch diskutiert und der Austausch zwischen Politik und Bürgern sei wichtiger als je zuvor geworden.

Bericht aus der Schwetzinger Zeitung von Hannah Beisel, 16.08.2023

Über 1200 Unterschriften an Landrat Dallinger übergeben

„Rettet den Entenpfuhl“: Bürgerinitiative dankt für Unterstützung und bleibt am Thema dran
Die Vertreter der Bürgerinitiative „Rettet den Entenpfuhl“ überreichen Landrat Stefan Dallinger (3. v. l.) die gesammelten Unterschriften.  Bild: BI

DIE VERTRETER DER BÜRGERINITIATIVE „RETTET DEN ENTENPFUHL“ ÜBERREICHEN LANDRAT STEFAN DALLINGER (3. V. L.) DIE GESAMMELTEN UNTERSCHRIFTEN. BILD: BI

Ketsch/Schwetzingen. Die Vorstände der Bürgerinitiative (BI) „Rettet den Entenpfuhl“ überreichten dem Landrat des Rhein-Neckar- Kreises, Stefan Dallinger, die mehr als 1200 gesammelten Unterschriften von Bürgerinnen und Bürgern aus umliegenden Gemeinden. Damit wenden sie sich deutlich gegen eine Auskiesung und ein angeschlossenes Betonwerk mit Verwaltungsgebäude und setzten damit ein klares Zeichen für den Erhalt des Gewann Entenpfuhl, heißt es in einer Mitteilung der BI.

Beim betreffenden Gebiet Gewann Entenpfuhl handelt es sich um eine Waldfläche von ungefähr 42 Hektar, die in der Nähe der Gemeinde Ketsch und auf der Gemarkung von Schwetzingen liegt, welche für die Wasserversorgung des Wasserwerkes Schwetzinger- Hardt überaus wichtig und wertvoll ist (wir berichteten mehrfach). Zum besseren Verständnis sei ein Fußballfeld angeführt, das normalerweise 105 mal 68 Meter groß, das ist eine Fläche von 0,72 Hektar. Somit sei also hier die Rede über eine zusammenhängende Waldfläche „von satten 58 Fußballfeldern“, so die BI. „Bei dem Gespräch mit dem Landrat legten wir unsere deutlichen Bedenken dar, sprachen über Alternativen, welche es gibt, und die sehr wichtige Aufgabe des Klimaschutzes. Landrat Dallinger hingegen verwies darauf, dass der Ablauf des Verfahrens nach den gesetzlichen Vorgaben geprüft und danach entsprechend entschieden wird“, heißt es weiter.

Mehr Zuspruch als gedacht

Die BI bedanke sich für die überaus starke Unterstützung von den Bürgerinnen und Bürgern – statt der angestrebten 1000 Unterschriften bis Ende März seien es am Ende sogar über 1250 Unterschriften geworden. Wobei die Nachfrage nach dem Wunsch sich an der Unterschriftenliste zu beteiligen in den umliegenden Kommunen ungebrochen hoch ist. Die Bürgerinitiative „Rettet den Entenpfuhl“ bleibe weiter eng am Thema dran, bis diese Angelegenheit endgültig im Sinne der unterzeichnenden Bürgerinnen und Bürgern entschieden sei, heißt es abschließend.

Bericht aus der Schwetzinger Zeitung vom 17.04.2023

Infostände

Freitag, 03.03.2023 – 14:00 – 17:00 Uhr

Infostand der BI Rettet den Entenpfuhl in Oftersheim neben dem Wochenmarkt auf dem Festplatz der Roland-Seidel-Halle.

Samstag, 18.03.2023 – 8:00 – 13:00 Uhr

Infostand der BI Rettet den Entenpfuhl in Schwetzingen, Mannheimer Straße, Fußgängerzone Ecke Heidelberger Straße vor der Buchhandlung.

Wir informieren über den aktuellen Stand im Entenpfuhl und bitten die Mitbürger um Unterstützung, indem Sie gegen den Sand- und Kiesabbau im Entenpfuhl auf unserer Unterschriftenliste unterschreiben.

23.09.2022, 10:00 bis ca. 17:00 Uhr Infostand in Schwetzingen auf den kleinen Planken

Am Freitag, 23.09.2022 sind wir von 10:00 Uhr bis ca. 17:00 Uhr in Schwetzingen auf den kleinen Planken, um die Bevölkerung über die aktuelle Lage im Entenpfuhl zu informieren und Unterschriften gegen die Abholzung des Entenpfuhls zu sammeln. 


	

Begehung Entenpfuhl mit CDU MdL Andreas Sturm

Am Samstag, 17.09.2022 um 10:00 Uhr trifft sich der Landtagsabgeordnete Andreas Sturm mit der Bürgerinitiative „Rettet den Entenpfuhl“ zu einer Begehung des Waldareals am Parkplatz der Hundewiese in Ketsch (verlängerter Heuweg). 

Andreas Sturm wird von der örtlichen CDU und Jungen Union begleitet und möchte sich ein Bild über den aktuellen Zustand des Entenpfuhls machen, insbesondere nach den heißen Sommermonaten. 

Ziel ist es den Wald am Entenpfuhl weiter zu erhalten. 

Die Bevölkerung ist herzlich zu diesem Termin eingeladen.