Widerstand verzögert Kiesabbau

Gemeinsam gegen den Kiesabbau im Entenpfuhl: Mitglieder der BI und des Ketscher Umweltstammtischs im Schatten der Bäume, die für den Sand- und Kiesabbau fallen könnten.Bild: Benjamin Jungbluth

Ketsch: Während die BI „Rettet den Entenpfuhl“ und der Umweltstammtisch neue Gegenargumente präsentieren, zieht sich das Genehmigungsverfahren in die Länge.

Mitunter sind es die eher kleinen Nadelstiche, mit denen die BI „Rettet den Entenpfuhl“ versucht, den von der Firma Krieger geplanten Kiesabbau im Südosten von Ketsch zu verhindern. Wobei „klein“ im neuesten Fall relativ ist: Der Große Eichenbock – auch Heldbock genannt – zählt mit einer Länge von bis zu 5,5 Zentimetern zu den größten Käfern Europas. Typisch Macho, entwickeln die Männchen sogar Fühler, die das Doppelte ihrer eigenen Körperlänge erreichen können. Als Lebensraum bevorzugen die Insekten naturnahe Wälder, um in absterbenden Bäumen zu siedeln. Sie gelten unter Umweltschützern als sogenannte Urwaldrelikte, weil sie auf möglichst unberührte Strukturen angewiesen sind.

„Deshalb sind sie in Deutschland auch stark vom Aussterben bedroht. Und vor kurzem haben wir eine Population mitten im Entenpfuhl gefunden. So viel zu der Aussage der Befürworter, der Wald hier sei nicht schützenswert. Das alles haben wir den zuständigen Behörden natürlich sofort gemeldet“, sagt BI-Sprecher Heinz Eppel. Gemeinsam mit dem Ketscher Umweltstammtisch wollen die Gegner des Projekts am Rand des betroffenen Gebiets einmal mehr auf ihr Thema aufmerksam machen.

Kühlfunktion für die Gemeinde

Dabei spielt ihnen die jüngste Hitzewelle in die Hände. An diesem Mittag Anfang Juli ist es entlang der Felder am Gewerbegebiet Süd schon unangenehm heiß, während sich das Wetter im Schatten der Entenpfuhl-Bäume deutlich besser ertragen lässt. „Ich habe im vergangenen Sommer, als es nicht so extrem war wie zuletzt, selbst Temperaturmessungen durchgeführt“, erzählt Eppel. „Auf dem Ketscher Marktplatz habe ich in der Sonne ganze 58 Grad am Boden gemessen, die durch das Pflaster erzeugt wurden. Der Waldboden im Entenpfuhl hatte hingegen nur 28 Grad. Das zeigt doch, welche kühlende Funktion das Gebiet hat.“ Seine Mitstreiter unterstützen diese Argumentation: Jetzt werde wieder überall gefordert, Böden zu entsiegeln und Hitzeinseln abzubauen – dabei böten bestehende Wälder doch genau diese dringend benötigte Abkühlungsfunktion.

„Vom Trinkwasser, das durch den Kiesabbau trotz aller Beteuerungen gefährdet sein könnte, haben wir dann ja noch gar nicht angefangen. Da lauern einfach so viele Unsicherheiten, dass dieses Gebiet schlicht nicht dafür geeignet ist, auf knapp 40 Hektar und in 35 Metern Tiefe Sand und Kies abzubauen“, betont Werner Zieger aus dem BI-Vorstand. „Das machen ja auch die betroffenen Kommunen deutlich, die in den letzten Wochen ihre öffentlichen Stellungnahmen abgegeben haben.“

Ablehnung als Lichtblick für die Bürgerinitiative

Die unisono ablehnende Haltung der Gemeinderäte von Ketsch, Schwetzingen und Hockenheim ist aus Sicht der BI ein wichtiger Lichtblick. Denn diese hatten allesamt die Argumente der Gegner ins Feld geführt (wir berichteten): Gefahr für das Trinkwasser und die Natur, Sorge vor Lärm und Dreck sowie eine befürchtete Überlastung der Infrastruktur.

Gerade beim letzten Punkt setzt auch die BI wieder an. So werde der inzwischen konkret geplante Neubau der Güterbahnstrecke die Region absehbar stark belasten. „Das wird nicht nur direkte Auswirkungen auf Ketsch und Hockenheim haben, sondern auch zusätzlich Wald kosten. Das gleiche gilt für den geplanten Ausbau der A6, dafür werden ebenfalls viele Bäume fallen“, argumentiert Heinz Eppel.

Doch wie ist überhaupt der Stand des komplexen Genehmigungsverfahrens im Entenpfuhl? Seit Anfang des Jahres werden die sogenannten Träger öffentlicher Belange angehört, worunter auch die Kommunen fallen.

Und offensichtlich hat es dieser Verfahrensschritt in sich: Wie der Rhein-Neckar-Kreis auf Nachfrage mitteilt, müsse die Firma Krieger die Antragsunterlagen „aufgrund von Nachforderungen einzelner Träger öffentlicher Belange nachbessern“. Konkret gehe es um „verkehrsrechtliche Fragen zur Zuwegung, forstrechtliche Fragen zur Waldumwandlung und um naturschutzrechtliche Belange“.

Wenn die zusätzlichen Unterlagen vorlägen, hätten die Träger erneut Gelegenheit zur Stellungnahme, woraus sich wiederum weitere Nachforderungen ergeben könnten, betont der Kreis. Erst danach stünden die nächsten Verfahrensschritte wie die Offenlage oder ein Erörterungstermin an. Das Ganze habe entsprechend Auswirkungen auf den Zeitplan: „Von Seiten der Planfeststellungsbehörde kann daher keinerlei Prognose abgegeben werden, wann mit einer Entscheidung gerechnet werden kann.“

Auch die Firma Krieger bestätigt auf Nachfrage, „eine Vielzahl an Stellungnahmen und Nachforderungen“ erhalten zu haben. Zudem habe es dabei in den vergangenen Monaten immer wieder Fristverlängerungen und Verzögerungen gegeben, so dass noch nicht alle finale Informationen vorlägen. Sobald das der Fall sei, würden aber sämtliche Bereiche „in gewohnter Weise von uns und den Fachbüros gründlich geprüft“.

Und so scheint sich das bereits seit rund einem Jahrzehnt in der Planung befindliche Projekt im Entenpfuhl noch eine ganze Weile hinzuziehen. Die BI plant derweil bereits ihre nächste Aktion: Nach den Sommerferien wollen die Mitglieder die Öffentlichkeit erneut zu einer Infoveranstaltung am Waldrand einladen. „Wir machen weiter und geben nicht auf“, betont BI-Sprecher Heinz Eppel abschließend.

Bericht aus der Schwetzinger Zeitung vom 17.07.2026 von Benjamin Jungbluth

Hinterlasse einen Kommentar